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didacta 2021, im Februar

Gesucht: Motivator statt Pauker

Individuelle Förderung statt Massenunterricht nach Schema F – Deutschlands Schulen sind im Umbruch. Aber Experten warnen: Die Lehrkräfte sind dafür nicht ausgebildet.

Fachkräfte für Bildung

Fachkraft Lehrer
Foto: © Shutterstock/Alexander Raths

Individuelle Förderung statt Massenunterricht nach Schema F – Deutschlands Schulen sind im Umbruch. Aber Experten warnen: Die Lehrkräfte sind dafür nicht ausgebildet. Ihr Wissen aus dem Studium reiche für die neuen Anforderungen nicht mehr aus. Sie müssten anpassungsfähiger werden – und lebenslang lernen. Aus Wissensvermittlern werden Lernbegleiter.

Lehrerinnen und Lehrer gelten als überfordert und überlastet

Es rumort in Deutschlands Klassenzimmern. Digitale Medien bieten ganz neue Möglichkeiten für kreativen Unterricht, Ganztagesbetreuung ist flächendeckend ein Thema – und die Schülerschaft ist heterogen wie nie. Lehrerinnen und Lehrer treffen in ihren Klassen auf immer mehr Schüler mit Migrationshintergrund und auf solche, die aus bildungsfernen Schichten kommen oder besonders gefördert werden müssen. Es ist kein Klischee: Lehrerinnen und Lehrer gelten, wie auch zahlreiche Selbstbildstudien bestätigen, als überfordert und überlastet. Die Klassen sind riesig, und das Hin und Her der Schulreformen verstärkt die allgemeine Verunsicherung in der Lehrerschaft.

Aufstieg durch Bildung

Die Politik folgt einem klaren Credo: Jedes Kind und jeder Jugendliche in Deutschland solle die bestmöglichen Bildungschancen erhalten, unabhängig von seiner kulturellen oder sozialen Herkunft oder den materiellen Möglichkeiten seines Elternhauses. So steht es im Bilanzbericht "Aufstieg durch Bildung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Im ganzen Prozess kommt dem Lehrer die zentrale Rolle zu. Er kann für Fächer begeistern, ermuntern und individuell fördern. Er kann aber auch abschreckend wirken und Abneigungen schaffen. Dabei ist die Klasse ja alles andere als ein einheitlicher Block – zumal, wenn die sozialen Hintergründe immer mehr auseinanderklaffen. Wie können Lehrkräfte mit den unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler umgehen? Für Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung für die Bereiche Bildung, Integration und Demokratie, liegt der Schlüssel in einer neuen Lernkultur. Diese stelle das einzelne Kind und seine persönlichen Lernvoraussetzungen in den Mittelpunkt. Entsprechend verändere sich auch die Rolle der Lehrkräfte. Sie seien künftig nicht nur Wissensvermittler, sondern vor allem Lernbegleiter, so Dräger.

Ständige Weiterbildung

Das fordert die Lehrkräfte in ihrer ganzen Persönlichkeit: Als Multi-Tasker müssen sie weit mehr vermitteln können als Fachinhalte und kognitive Fähigkeiten. Etwa die Schaffung einer reichen Lernumgebung, die Motivation auch von leistungsschwächeren Schülern und die Begleitung schülerverantwortlicher Lernprozesse. Gruppenarbeit, die gemeinsame, multimedial aufbereitete Präsentation und die folgende, klar nachvollziehbare Bewertung sind die Schlagwörter des modernen Unterrichts.

Im Jahr 2004 hat die Kultusministerkonferenz zum ersten Mal länderübergreifende Standards der Lehrerbildung formuliert. Der moderne Lehrer müsse nicht nur "unterrichten, erziehen und bewerten", sondern auch "innovieren". Der Anspruch ist ganz neu im Berufsbild verankert. Was bedeutet das aber in der Praxis? Nach Ansicht von Frank Lipowsky , Professor für Empirische Schul- und Unterrichtsforschung an der Universität Kassel, müsse sich die Professionalisierung von Lehrkräften über das ganze Leben erstrecken. Das Wissen aus dem Studium reiche für die drei Jahrzehnte an der Schule nicht aus. Die Aufgaben seien umfassender und komplexer geworden. Das Wissen darüber, wie man das Lernen der Schüler fördern könne, entwickle sich weiter. Lehrerinnen und Lehrern bliebe daher nichts anderes übrig, als sich in neue Bildungsthemen einzuarbeiten und sich auch didaktisch ständig weiterzubilden.

Lipowsky fordert für Lehrkräfte eine Fortbildungsdauer von mindestens einem halben Jahr. Ein bis zwei Schuljahre hielte er für noch besser, soll die Fortbildung wirksam sein. Ob sich die Politik darauf einlässt?

Diskutieren Sie mit Fachkolleginnen und -kollegen über aktuelle Herausforderungen für Bildungsfachkräfte: auf der didacta 2015 vom 24. bis 28. Februar in Hannover.

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