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didacta 2021, im Februar
Inklusion

Inklusion: Ein realistisches Ziel?

Christian B. ist blind. Trotzdem hat er sein Abitur gemacht – und zwar schon 1999 an einem ganz normalen Gymnasium. Heute ist der Jurist in einer führenden Position.

Schulkind
Foto: © Shutterstock/ Kzenon

Nach der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 durch den Bundestag ist "inklusive Bildung" ein Menschenrecht. Das heißt: Jede Schule muss Behinderte einbinden können. Doch das geeignete Personal und Know-how dafür fehlen.

Je älter behinderte Kinder und Jugendliche sind, desto geringer sind ihre Chancen, gemeinsam mit Gleichaltrigen ohne Behinderungen zu lernen. Christian B. verließ die Blindenschule schon nach der vierten Klasse, wechselte auf ein Gymnasium. Die Klasse war sehr klein, damit sich die Lehrer ihrem besonderen Schüler eingehender widmen konnten. Unterstützt wurde Christian damals von fast tonnenschwerem IT-Equipment. Laptops oder sprechende Handys gab es noch nicht. Warum diese besondere Schulkarriere geklappt hat?

"Lehrer und Freunde haben mich integriert. Das heißt: Sie haben die Unterschiede gesehen und nicht so getan, als ob es gar keinen Unterschied gäbe."

Ähnlich lief es in seinem Jurastudium.

Was damals die Ausnahme war, soll nach Willen vieler Bildungspolitiker bald gang und gäbe sein: behinderte Schüler an Regelschulen. Die Herausforderung bestehe darin, Lehrer so zu schulen, dass sie den Bedürfnissen von behinderten Schülern gerecht werden, meint die Bertelsmann-Stiftung. Alternativ müssten Lehrer im Unterricht durch geschultes Personal unterstützt werden. Doch eine solche Unterstützung sei aktuell den Förderschulen vorbehalten. Geeignete Fortbildungsangebote für andere Lehrer? Gibt es noch nicht.

Regel- oder Förderschule?

Auch deshalb gibt es Streit darüber, was eine inklusive Schule leisten kann und soll. Inklusiver Unterricht verlangt viel: gut vorbereite Pädagogen, Betreuung durch erfahrene Therapeuten oder eine individuelle Assistenz, wenn sich Eltern – ob von Kindern mit oder ohne Behinderung – beteiligen und wenn das jeweilige Kind in seiner individuellen Entwicklung gesehen wird.

Es gibt Auffassungen, dass Menschen mit Behinderung in einer hochspezialisierten Sonderschule am besten aufgehoben sind. Weil sie eben dort entsprechend ihrer Begabungen gefördert werden könnten. Würden die Sonderschulen für geistige und körperliche Behinderungen abgeschafft – es gäbe einen Aufschrei unter Eltern und Behindertenverbänden. Solange die meisten allgemeinbildenden Schulen nicht annähernd so ausgestattet sind wie die speziellen Einrichtungen, bleibt die Sonderschule für viele Eltern daher die erste Wahl.

"Inklusion darf sich nicht auf Kindergarten und Schule beschränken. Jugendliche mit Behinderung brauchen nach der Schule eine Perspektive und bessere Chancen auf einen Berufseinstieg."

Jörg Dräger, Projektleiter der Bertelsmann-Studie

Während die Inklusion in der Schulpolitik inzwischen ein zentrales Thema sei, findet sie in der Berufsausbildung oder vielen Studiengängen bislang kaum statt. Damit steht und fällt jedoch die Einbindung behinderter Menschen in die Gesellschaft. Bei Christian B. ist diese exzellent gelungen. Er lebt heute ein ganz normales, selbständiges Leben. Mit einem Job, einer Frau und einem Sohn. An seine Schulzeit denkt er gerne zurück.

Die didacta 2015 beschäftigt sich mit dem Thema "inklusive Bildung". Seien Sie dabei!

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Video Inklusion - Graf Fidi

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"Let's go, wir packen alle mit an - damit es Bildung für alle gibt".

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