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didacta 2021, im Februar
Qualität im Kindergarten

Kindergarten: Königsweg gesucht

Im Kindergarten entwickelt sich das Kind jeden Tag weiter, gerade durch den ständigen Kontakt zu anderen Kindern. Die Kleinen brauchen die Gesellschaft.

Qualitaet im Kindergarten
Foto: © Shutterstock/Robert Kneschke

Im Kindergarten entwickelt sich das Kind jeden Tag weiter, gerade durch den ständigen Kontakt zu anderen Kindern. Die Kleinen brauchen die Gesellschaft, sind eben keine Einzelgänger. Sie lernen durch feste Regeln, Nachahmen und Experimentieren, durch Versuch und Irrtum. Auch der Gesetzgeber erkennt mittlerweile, dass der Kindergarten Basis unseres Bildungssystems ist. Seit 2012 gibt es das Bundeskinderschutzgesetz. Fragen bleiben dennoch: Lässt sich durch Vater Staat eine gute Erziehung regeln? Oder pfuscht er durch Reformen Eltern und Erziehern ins Handwerk?

Alltag im Kindergarten: 25 Kinder, zwei Erzieherinnen

Andrea G. empfängt ohrenbetäubender Lärm. Die Journalistin und Mutter hospitiert für einen Tag im Kindergarten ihres Sohnes – es ist einer der längsten Tage ihres Lebens. Kaum haben die Kleinen Straßen- gegen Hausschuhe getauscht, laufen sie in die Bau- und Verkleidungsecken, stürmen die Puppenküche, suchen sich Spielkameraden, basteln, malen oder verteilen ganze Gesellschaftsspiele auf Tisch und Boden. Die Erzieherinnen schmunzeln. Das ist ihr Alltag. 25 Kinder, zwei Erzieherinnen, und hinzu kommen die Ansprüche der Eltern nach dem Motto "für unser Kind das Beste". Hier gibt es eine Wunschliste, die optimale Bedingungen garantieren soll. Offenbar steigen die Erwartungen an unsere Kinder, seitens der Eltern, der Gesellschaft und auch des Staates. Nur ein Beispiel: Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2008 ergab, dass fast ein Drittel, 26 Prozent der Eltern das Erlernen einer Fremdsprache im Kindergarten befürworten. Aber was macht die Qualität eines Kindergartens aus? Die pädagogische Bildung der Erzieherinnen und Erzieher, Entertainment oder schlichtweg der feste Platz?

Gesetzgeber auf der Suche nach den besten Bedingungen

Im September 2012 wurde im achten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VIII) der Paragraph 79a verabschiedet. Er lautet:

Um die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe nach § 2 zu erfüllen, haben die Träger der öffentlichen Jugendhilfe Grundsätze und Maßstäbe für die Bewertung der Qualität sowie geeignete Maßnahmen zu ihrer Gewährleistung […] weiterzuentwickeln, anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen. […]

Auf den Punkt gebracht, nimmt es den Staat in die Pflicht. Dieser soll die Persönlichkeit der Kinder entfalten wie schützen. Schöne Worte, doch in der Praxis umsetzbar? Der zentrale Experte auf dem Gebiet, Professor Dr. Joachim Merchel von der Universität Münster, veröffentlichte im April 2013 eine "Orientierungshilfe zur Umsetzung der Regelungen in §§ 79, 79a SGB VIII" . Er macht acht entscheidende Felder aus: die pädagogische Konzeption, die individuelle Förderung, das Personal, die Sprachbildung, die Beschwerdemöglichkeiten, die Kooperation mit anderen Institutionen, der Schutzauftrag und die Qualitätsentwicklung. Dem Experten geht es vor allem um „praxisnahe Konkretisierung“, wie die Gesetzgebung umzusetzen sei. Allerdings schränkt er ein: "Jeder Vorschlag zu einem Vorgehen muss notwendigerweise generalisieren, er muss einen gewissen Abstand nehmen zu den Besonderheiten der Konstellation in einem bestimmten Jugendamt und in einem bestimmten Ort […]". Denn Merchel weiß genau, dass die meisten Kindergärten genau so argumentieren: "Bei uns ist das anders, und bei unserer Situation ist das so, wie es beschrieben wird, nicht umsetzbar." Doch das Gesetz ist da, und damit die Pflicht der Umsetzung. Viele konkreten Fragen etwa zur Qualität harren dennoch nach wie vor einer schlüssigen Antwort aus. Nur bei einem ist man sich einig: beste Bedingungen für unsere Kinder.

Kein Königsweg, viel Redebedarf

Keiner kennt also, typisch im ganzen Bildungsbereich, den Königsweg. Zumindest Andrea G. ist inzwischen eines klar geworden: Die Erziehung der Kinder kann Vater Staat den Eltern nicht abnehmen. Viel wichtiger ist, dass Eltern, Erzieherinnen und Erzieher miteinander reden, aufeinander zugehen.

Raum zu Begegnung und Platz für Diskussionen dieser Art gibt es auf der Bildungsmesse didacta in Hannover vom 24. bis 28. Februar 2015.

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