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didacta 2021, im Februar
Qualität im Kindergarten

Kitas: Das Geld ist da. Die Betreuer fehlen.

Die Bundesregierung stellt mehr Geld denn je für den Ausbau der Kindertagesstätten zur Verfügung. Das Problem: Kaum einer will dort arbeiten.

Die Bundesregierung stellt mehr Geld denn je für den Ausbau der Kindertagesstätten zur Verfügung. Das Problem: Kaum einer will dort arbeiten.

Kindergarten
Foto: © Shutterstock/ Robert Kneschke

"Wir haben in Deutschland so viele Kita-Plätze wie noch nie", verkündete Familienministerin Manuela Schwesig beim ersten Kita-Gipfel im November. Kein Wunder: Seitdem es den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz gibt, baut die Politik die Tagesstätten eifrig aus. Der Bund will weiterhin für den laufenden Betrieb, aber auch für den Ausbau der Kinderbetreuung Gelder bereitstellen. Beispielsweise für die Sprachförderung, insbesondere in sozialen Brennpunkten, wo Kinder eine besondere Hilfe brauchen. "Mehr Qualität in den Kitas – das ist ein Milliardenprojekt, das Bund, Länder und Kommunen gemeinsam stemmen müssen", sagt Schwesig. Doch die Qualität lässt sich nur mit ausgebildetem Personal sicherstellen – und das ist Mangelware.

Ein unattraktiver Beruf

Die Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen sind immer noch unattraktiv: "Wir werden ausgepresst wie Zitronen!", klagte eine Erzieherin unlängst in der ZEIT . Viele Kita-Mitarbeiter könnten ihre zahlreichen Überstunden gar nicht abbauen. Wer geht schon pünktlich nach Hause, wenn eine Dreijährige schreit und die Eltern später zum Abholen kommen? Laut einer Untersuchung des Ministeriums für Bildung und Forschung leiden 72 Prozent aller Erzieher unter übermäßigem Stress, ein Drittel gilt als Burnout-gefährdet.

Eine halbe Million pädagogische Fachkräfte arbeiten in Deutschland. Trotzdem fehlen laut Bertelsmann-Stiftung allein den Krippen noch 120.000 Erzieherinnen und Erzieher. Die dafür nötigen Personalkosten würden jährlich zusätzlich fünf Milliarden Euro verschlingen. Der Analyse zufolge muss sich in Ostdeutschland rechnerisch ein Pädagoge um 6,3 Krippenkinder kümmern – das sind ungefähr doppelt so viele Kinder als von den Experten der Bertelsmann-Stiftung empfohlen. Ein individuelles Eingehen auf die Kleinen scheint unter den jetzigen Umständen kaum möglich.

Schlechte Kitas durch schlechte Betreuung?

Bei der Betreuung der über Dreijährigen ist der Unterschied zwischen dem Optimalfall und der Realität noch gravierender: Bildungsexperten empfehlen einen Pädagogen für rechnerisch 7,5 Kinder. In Westdeutschland ist ein Erzieher für durchschnittlich 9,1 Kinder verantwortlich, in Ostdeutschland sogar für 12,7 Kinder. Dazu kommt häufiger Personalwechsel und bürokratischer Aufwand, den die Pädagogen leisten müssen – dadurch haben sie noch weniger Zeit für die Kinder. Das sorgt für Frustration unter den Kita-Mitarbeitern. Das Vorhaben der Regierung, für mehr Qualität in der Kinderbetreuung zu sorgen, steht und fällt daher mit dem eingestellten Personal. Nur wenn es genügend Pädagogen gibt, wird der Beruf attraktiver und die Kinder werden bestmöglich gefördert.

Auf der didacta finden sich viele Veranstaltungen zum Thema.

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