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Cybermobbing – Was kann ich dagegen tun?

Mobbing ist an Schulen schon lange ein Thema. Doch es geht noch schlimmer: Cybermobbing hebt das gezielte „Fertigmachen“ von Mitschülern auf ein neues Level. Warum diese Form der Diffamierung so schlimm ist und was Lehrkräfte tun können, um ihren Schülern zu helfen.

10.01.2018
Artikel 9 Cybermobbing

Timon ist 14 Jahre alt. Er mag das Fach Geschichte und trifft sich gerne zum Radfahren. Gleichzeitig ist er introvertiert und trägt keine Markenkleidung – ganz im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden. Das macht ihn in deren Augen "anders" und zum Ziel von Mobbing. Genauer gesagt: Cybermobbing. Also dem gezielten Fertigmachen mittels digitalen Medien.

Wie Timon geht es vielen Kindern in ganz Deutschland. Laut einer Studie des Medienpädagogen Forschungsverbund Südwest bestätigen 37% aller Schülerinnen und Schüler, dass Menschen in ihrem Bekanntenkreis bereits via Handy oder im Internet "fertig gemacht wurden". Immerhin fast jeder Vierte (24%) der 16- bis 17-Jährigen ist bereits Opfer von Falschmeldungen oder beleidigenden Inhalten gewesen.

Mobbing … nur schlimmer

Mobbing – egal ob es auf dem Schulhof oder im virtuellen Raum stattfindet – ist eine schlimme Erfahrung für jedes Opfer. Wer über einen längeren Zeitraum gezielt Beleidigungen und Verleumdungen einer ganzen Gruppe ausgesetzt ist, entwickelt häufig starke psychische Probleme. Ein Viertel der Opfer leidet noch Jahre später an Angststörungen, wie ein US-amerikanisches Forscherteam herausfand .

Cybermobbing hebt das Phänomen auf eine neue Ebene. Der Grund: Für Betroffene existiert kein Rückzugsort mehr. Die Anfeindungen hören nicht mit Verlassen der Schule auf, sondern setzen sich in den eigenen vier Wände fort. Der virtuelle Raum ist omnipräsent. WhatsApp, Instagram, Snapchat und Co funktionieren immer und überall. Und selbst wenn das Handy des Opfers aus ist, geht die Diffamierung im Netz weiter. Sei es durch beleidigende Kommentare oder verletzende Bilder und Videos.

Lehrkräfte können helfen

Betroffene können sich oft nicht gegen die Angriffe wehren. Eine gemeinsame Erhebung von Vodafone und YouGove fand heraus, dass sich nahezu die Hälfte der betroffenen Schüler (49%) hilflos fühlt. Wie mit dem Problem umgehen? Täter verbergen sich meist in der Anonymität des Internets. Das macht es nicht einfacher. Umso wichtiger also, dass Lehrkräfte ein hohes Bewusstsein für das Thema entwickeln und schützend eingreifen.

Präventive Maßnahmen sind ein erster Schritt: Die Schüler sollen aktiv über die neuen Medien aufgeklärt werden, speziell über die Verhaltensregeln im Internet. Das Strategiepapier "Bildung in der digitalen Welt" der Kultusministerkonferenz bildet dafür eine wichtige Grundlage. Insgesamt sind die Stärkung von Sozialkompetenzen und Zivilcourage wichtig. Ein anonymer Briefkasten kann es Schülern erleichtern, Lehrer um Hilfe zu ersuchen.

Sind Betroffene bereits Cybermobbing ausgesetzt, ist die pädagogische Unterstützung umso wichtiger. In jedem Fall sollten Lehrkräfte die Anliegen der Schüler ernst nehmen und Unterstützung anbieten. In einem nächsten Schritt ist es ratsam zu prüfen, ob eine Kindeswohlgefährdung droht. Möglicherweise ist es notwendig, einen Schulpsychologen einzubinden. In jedem Fall ist es außerdem ratsam, den Sachverhalt möglichst konkret zu dokumentieren. Um die Situation besser einschätzen zu können und Verlaufsmuster festzuhalten. Im Netz gibt es dazu entsprechende Leitfäden .

Angebote gegen Cybermobbing

Ab einem gewissen Umfang der Mobbingattacken ist es jedoch unverzichtbar, Eltern oder sogar die Polizei zu informieren. Cybermobbing an sich ist zwar noch kein eigener Strafbestand, doch können andere rechtliche Tatbestände greifen, wie Üble Nachrede, Verleumdung oder Beleidung.

Um diesem letzten Schritt vorzubeugen, können Lehrkräfte wie Schüler auf ein umfangreiches Hilfsangebot zurückgreifen: Die EU stellt in ihrer Initiative "klicksafe.de" für mehr Sicherheit im Netz umfangreiche Informationen bereit. Die Polizei bietet darüber hinaus spezielle Unterrichtsmaterialien zur Prävention an. Außerdem gibt es Eltern- und Schülerinitiativen wie Bündnis gegen Cybermobbing oder cybermobbing-hilfe.de als Anlauf- und Beratungsstellen.

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