Anzeige
Anzeige
didacta 2021, im Februar
Startseite>News>Artikel
Schule/Hochschule

Digitalisierung: Wie gut sind unsere Berufsschulen?

Auch kleinere und mittelständische Betriebe werden digital. Die berufliche Bildung muss dafür sorgen, dass die Fachkräfte von morgen die richtigen Kompetenzen für die neue Arbeitswelt mitbringen. Gelingt das bereits? Oder gibt es Nachholbedarf?

14.12.2017
Digitalisierung-in-Berufsschulen

In naher Zukunft werden die meisten Gegenstände in unserem Alltag miteinander vernetzt sein. Darauf stellt sich die produzierende Industrie ein – und benötigt die passenden Facharbeiter. Während noch vor wenigen Jahren nicht einmal die Hälfte aller Berufsbildenden Schulen überhaupt einen WLAN-Zugang hatte, rüsten diese derzeit deutlich auf und werden offenbar zum schulischen Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Durchschnittlich rund 75 Prozent der befragten Bildungseinrichtungen nutzen digitale Anwendungen im Unterricht – allerdings sehen 85 Prozent noch ungenutzte Möglichkeiten, die vor allem an mangelnder Finanzierung scheitern. Das fand eine Roland-Berger-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft (BMWi) heraus. Unbestritten hinken die Berufsschulen der Industrie noch weit hinterher, im Schulvergleich scheinen sie aber nicht schlecht abzuschneiden. Auch ist der Unterschied zwischen den Bundesländern sehr groß: Während in Berlin gerade mal 50 Prozent der Auszubildenden im Schulalltag Tablets und Computer nutzen, sind es in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland 85 Prozent.

Die "Lernfabrik 4.0"

Baden-Württemberg schafft seit zwei Jahren mit dem Ausbau der " Lernfabrik 4.0 " noch bessere Voraussetzungen, um die Ausbildungsstandards in Deutschland weiterhin hoch zu halten: 6,8 Millionen Euro stellte das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau zur Verfügung, Landkreise und Unternehmen beteiligten sich.

Die Lernfabrik 4.0 ist eine komplexe und vernetzte Produktionsanlage, wie sie in der modernen Fertigung häufig Standard ist – inklusive Rohstofflager, Förderband, Montagestand, 3D-Drucker, Roboter und einem dahinterliegenden Warenwirtschaftssystem. Auszubildende können hier beispielsweise individuelle Handyschalen gestalten und produzieren, Schlüsselanhänger designen und Elektroantriebe entwickeln. Vom Vertrieb über die Fertigung bis zur Auslieferung ist jeder einzelne Schritt vernetzt: Ein „Kunde“ bestellt via Smartphone sein gewünschtes Produkt, die Daten werden an die Anlage übermittelt und der Fertigungsprozess wird angestoßen. Anschließend können die Schüler mithilfe der Software sämtliche Daten und Produktionsschritte auswerten, Kosten-Nutzen-Faktoren berechnen und Qualitätsstandards setzen. Zielgruppe der Lernfabrik 4.0 sind Auszubildende aus der Elektrotechnik, der IT-Branche und auch des kaufmännischen und vertrieblichen Bereichs – und damit fast alle Berufsgruppen, die für die Arbeit in einem Fertigungsunternehmen ausgebildet werden.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

16 solcher Lernfabriken gibt es bislang in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen folgt dem Beispiel und stellt entsprechende Gelder bereit. Während einige Berufsschulen im digitalen Zeitalter angekommen sind und ihre Schüler fit machen für die Zukunft, mangelt es anderen noch an den Grundlagen: In Berlin haben gerade mal 25 Prozent aller berufsbildenden Schulen überhaupt einen verantwortlichen Lehrer für die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0.

Anzeige
Weiteres zum Thema

Schule/Hochschule

spacer_bg