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Frühe Bildung

Englischunterricht für Kinder: Je früher, desto schlechter

Fremdsprachenunterricht in der ersten Klasse bringt nicht viel, sagt eine aktuelle Studie. Im Gegenteil: Kinder, die ab dem Schulstart eine neue Sprache lernen, sind in der 7. Klasse sogar schlechter als Kinder, die später mit der Zusatzsprache starteten. Steht die frühkindliche Sprachförderung nun vor dem Aus?

13.11.2017
Lernplattformen

Die Euphorie war groß, als um die Jahrtausendwende immer mehr Grundschulen Fremdsprachenunterricht anboten. Die Lernfähigkeit sei in jungen Jahren viel besser, spielend sollten die Kinder in die neue Sprache hineinwachsen und damit bestens vorbereitet werden für die globalisierte Gesellschaft.

Langsam wendet sich das Blatt: Zwar sind die Wartelisten bei bilingualen Schulen und Kindergärten nach wie vor lang. Dennoch schaffen viele Grundschulen den Fremdsprachenunterricht in den ersten Klassen wieder ab und starten frühestens in Klasse 3 damit. Gymnasiallehrer kritisieren schon lange, dass sie auf den Englischunterricht der Grundschule kaum aufbauen können und quasi wieder am Anfang starten müssen.

Eine aktuelle Studie der Ruhr-Universität Bochum und der TU Darmstadt kommt sogar zu noch schlimmeren Ergebnissen als die Gymnasiallehrer. Die Forscher verglichen für ihre Studie zwei Schülergruppen: Gruppe 1 hatte ab der Einschulung Englischunterricht, Gruppe 2 begann erst in der dritten Klasse damit. In der fünften Klasse war die erste Gruppe besser: die Kinder, die früh mit Englisch begonnen hatten. Doch in der siebten Klasse fielen die Schüler mit der frühen Fremdsprachenförderung ab und waren schlechter als Gruppe 2.

Über die Gründe für das schlechtere Abschneiden der Schüler mit fremdsprachlicher Frühförderung können die Experten nur mutmaßen. Möglicherweise sind Erstklässler beim derzeit praktizierten Unterrichtsmodell kognitiv noch nicht in der Lage, eine Fremdsprache nachhaltig zu lernen und bräuchten eine intensivere Betreuung.

Früher Englischunterricht: Ganz oder gar nicht

Fakt ist: Ein früher Start der frühkindlichen Sprachförderung trägt also nicht automatisch zu einer besseren Sprachkompetenz bei – zumindest nicht, wenn der Unterricht klassisch aufgebaut ist. Anders sieht das bei zweisprachig erzogenen Kindern aus oder bei Schul- und Kindergartenmodellen, bei denen einige Erzieher oder Lehrkräfte dauerhaft die Fremdsprache nutzen – Stichwort Immersionslernen. Der natürliche Umgang mit der Sprache und der dauerhafte Gebrauch fördert das natürliche Lernen und sorgt dafür, dass Kinder die Regeln der Sprache wie selbstverständlich verinnerlichen. Das bestätigen zahlreiche Studien aus Kanada, den USA und auch Deutschland. Unterricht, der nur wenige Wochenstunden umfasst, reicht dafür nicht aus.

Bei klassischem, zeitlich begrenztem Fremdsprachenunterricht – egal ob spielerisch oder nicht – profitieren ältere Schüler mehr, denn sie haben bereits die kognitiven Fähigkeiten, um grammatikalische Strukturen nachzuvollziehen. Vor diesem Hintergrund bleiben den Schulen eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie führen den Fremdsprachenunterricht später ein, was Baden-Württemberg bereits teilweise umsetzt. Oder sie bauen ihn deutlich aus, sodass mehr bilinguale Kindergärten und Schulen entstehen und Kinder durch Immersion lernen. Doch das wird vermutlich an Personalmangel scheitern.

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