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Schule/Hochschule

Lernräume: Wenn die Bildung kopfsteht

Neben Lehrkräften sowie Mitschülerinnen und Mitschülern gilt der Klassenraum als "dritter Pädagoge". Auch Lernorte außerhalb von Schule und Kita gewinnen an Bedeutung. Können alternative Raum- und Unterrichtskonzepte Deutschlands Bildungsinstitutionen für neue Herausforderungen rüsten?

29.01.2018
Lernraeume
©Pixabay.com

Die Schulklasse steht auf dem Kopf! Was wie das Werk einer unausgelasteten Schülerschar klingt, hat tatsächlich Methode: Im "flipped classroom" oder "umgedrehten Klassenzimmer" wird der Lehrerinput aus der Schule nach Hause verlagert. Die Hausaufgaben werden in der Schulstunde erledigt. Das aus den USA stammende Verfahren bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Inhalte selbstbestimmt und im eigenen Lerntempo zu erfassen - beispielsweise per Erklärvideo. Das umgedrehte Klassenzimmer ist nur eines von verschiedenen Unterrichtskonzepten, die die gewohnte Ordnung von Lernräumen und -prozessen herausfordern.

Fabrikgebäude Schule

Neue Ideen für die Gestaltung schulischer Lernsettings seien bitter nötig, mahnen Bildungsexperten wie der emeritierte Professor für Allgemeine Pädagogik, Olaf-Axel Burow. Im Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur vergleicht er die deutschen Schulgebäude mit "Preußenkasernen" oder Industrieanlagen: "Die Schule ist nach dem Modell der Fabrik aufgebaut. Die Schüler werden nach Alterskohorten sortiert, die fließbandmäßig vorrücken, wobei der Ausschuss aussortiert wird." Gelingen könne Lernen dagegen nur in einem Rhythmus von Konzentration, Entspannung und Bewegung, wie Tanzen und an die frische Luft gehen. Fest installierte Tische, die den Raum vollstellten, stünden dem entgegen, davon ist Burow überzeugt. Wenn es nach ihm ginge, müssten Schulen viel mehr mit Theatern und Museen kooperieren.

Solche außerschulischen Lernorte ermöglichen es den Schülern, Unterrichtsstoff über vielfältige Praxiserfahrungen zu begreifen. Ein Besuch im Zoo oder ein Ausflug ins Grüne kann Studien zufolge mitunter mehr Wissen vermitteln als eine gewöhnliche Unterrichtsstunde. Außerschulische Lernorte können unter anderem Museen und Themenwelten, Bauernhöfe oder Unternehmen sein. Beispielsweise bieten die im Didacta Verband zusammengeschlossenen Unternehmen Lernerlebnisse aus den Bereichen Natur, Technik, Gesellschaft, Geschichte, Sport und Kultur an. Diese können in den Lernalltag integriert werden und Lehrkräfte bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Ganztag als Herausforderung

Flexible Klassen und Köpfe erfordert auch die Tendenz zur Ganztagsbetreuung. Laut der Kultusministerkonferenz der Länder besuchten im Schuljahr 2015/2016 bundesweit 39,3 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule. Der Ganztag stellt neue Anforderungen an die Schulgebäude: Mensen, Sportmöglichkeiten und an den Ganztag angepasste Lernräume werden dringend benötigt. Das zeigt eine vom Bundesbildungsministerium geförderte Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen, wonach etwa 40 Prozent der Schulen von unzureichender Ausstattung berichten. Seit das Investitionsprogramm des Bundes für Ganztagsschulen im Jahr 2009 endete, haben die Bemühungen um den Bau adäquater Unterrichtsräume nachgelassen.

Vorbild frühe Bildung

Michael Fritz, ehemaliger Geschäftsführer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm, betont die Bedeutung von stimulierenden Lernumgebungen: "Lernen kann man nur selbst, es erfolgt am besten in der Auseinandersetzung mit der Sache. Nach dem Prinzip 'form follows function' müssen Lernräume deshalb den Lernenden unterstützen." Als Inspiration kann hier die frühkindliche Bildung dienen: Leseecken, Außenspielplätze, spezielle Lern-, Essens- und Ruheplätze sind schon lange Bestandteil deutscher Kitas. Angesichts begrenzter Mittel müssen Pädagogen aber nicht verzagen. Die Studie "Schüler richtig motivieren" der Vodafone Stiftung zeigt, dass selbst kleine Reize aus dem direkten Lernumfeld große Leistungssteigerungen bewirken können. Lehrkräfte müssen ihre Klasse also nicht auf den Kopf stellen, um etwas auszurichten.

Copyright für Bild: Pixabay.com
Bildunterschrift: Man muss die Bildung nicht auf den Kopf stellen, um Lernräume zu optimieren.
Hinweis zur Bildnutzung: Dieses Bild steht unter https://pixabay.com/de/junge-verr%C3%BCcktes-haar-m%C3%BCnzwurf-1846612/ zum Download bereit. Bitte beachten Sie die Nutzungshinweise auf www.pixabay.de.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:

Forum Unterrichtspraxis (Halle 12, Stand D46)
Mittwoch, 21. Februar 2018
14:00 – 15:00 Uhr
Positive Pädagogik - Wege zu Lernfreude und Schulglück
Prof. em. Dr. Olaf-Axel Burow lehrte Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel und ist Autor zahlreicher Fachbücher zu Pädagogik, Organisations-entwicklung und Kreativitätsforschung
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
positive-paedagogik-wege-zu-lernfreude-und-schulglueck/VOR/81668

Forum Qualifizierung (Halle 13, Stand E50)
Mittwoch, 21. Februar 2018
13:00 - 13:25 Uhr
Lernräume der Zukunft - Exzellente Trainingskunst in einer digitalisierten Welt
Barbara Messer, Trainerin/Rednerin
Veranstalter: Didacta Verband e.V.
lernraeume-der-zukunft-exzellente-trainingskunst-in-einer-digitalisierten-welt/VOR/81479

Sonderschau:
Deutsche UNESCO-Kommission
(Halle 12, Stand F57)
Dienstag, 20. Februar, bis Samstag, 24. Februar 2018
Nachhaltigkeit 360° - Lernorte für die Zukunft
Auf der Sonderschau zeigen Ausgezeichnete des Weltaktionsprogramms, wie ganzheitliche Ansätze Lernorte für die Zukunft rüsten.
Veranstalter: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
www.didacta-hannover.de/veranstaltung/nachhaltigkeit-360-lernorte-fuer-die-zukunft/SON/81534

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