Anzeige
didacta 2018, 20. - 24. Februar
Startseite>News>Artikel
Schule/Hochschule

Migrationsgesellschaft: Studie kritisiert Lehrerausbildung

Lehrer wollen all ihre Schüler fachlich und pädagogisch bestmöglich fördern. Doch ist das in unserer heterogenen Gesellschaft überhaupt möglich? "Nein", sagen die Autoren einer im September erschienenen Studie. Sie fordern grundlegende Veränderungen in der Lehrerausbildung. Nur so haben alle Schüler die gleichen Chancen – und die Lehrer Spaß bei der Arbeit.

23.11.2017
children-studying-in-library

Lena und Daniel werden ihr Abitur schaffen – Mohammed und Ashanti eher nicht. Was nach stumpfem Vorurteil klingt, ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Jugendliche mit Migrationshintergrund brechen bis zu dreimal häufiger die Schule ab als ihre deutschen Mitschüler. Woran das liegt? Möglicherweise auch an den Lehrern. Sie werden während ihres Studiums zu wenig auf multikulturelle Klassen vorbereitet.

Zu diesem Ergebnis kam die kürzlich veröffentlichte Studie "Angekommen in der Migrationsgesellschaft? Grundlagen der Lehrerbildung auf dem Prüfstand" . Darin heißt es: "Die heute ausgebildete Generation von (angehenden) Lehrern wird nur unzureichend im Hinblick auf Differenzsensibilität und Diskriminierungskritik in der Migrationsgesellschaft qualifiziert".

Eine Klasse voller "Mängelwesen"?

Mit anderen Worten: Die Realität in den heutigen Klassenzimmern ist noch nicht in der Lehrerbildung angekommen. Das Lehramtsstudium fördere veraltete Weltbilder. Migranten würden als Problemfälle mit Förderbedarf gesehen, teilweise sogar als "Mängelwesen", bringen es die Studienautoren drastisch auf den Punkt. So gesehen säßen in vielen Klassen heute mehr "Mängelwesen" als "normale Schüler".

Tatsächlich sollte Vielfalt in der heutigen Gesellschaft normal sein. In vielen Unternehmen wird diese sogar bewusst gefördert. Es ist nichts Besonderes, dass Menschen jedweder Herkunft zusammensitzen. Deshalb muss schon im Studium die Sichtweise geändert werden – weg vom Problem Migration, hin zum alltäglichen Umgang mit unterschiedlichen Menschen. Lehramtsstudierende sollten sich mit aktuellen Themen um Migration und Bildung auseinandersetzen, um die gesellschaftlichen Hintergründe dessen, was in der Klasse passiert, professionell deuten zu können. Das fordern die Autoren der oben genannten Studie.

Lehrkräfte fühlen sich alleingelassen

Derzeit fühlt sich nur ein Bruchteil der Lehrenden gut darauf vorbereiten, heterogene Klassen zu unterrichten. Nach wie vor spielt das Thema Migration in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften kaum eine Rolle – am Wenigsten übrigens in der Ausbildung von Gymnasiallehrern. Das hat verheerende Folgen. Nur wenige Lehrkräfte lernen, wie sie ihren Unterricht so gestalten können, dass alle Kinder ihre Sprachkenntnisse verbessern können, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Leistungsstand. Ohne Sprachkenntnisse ist einem guten Bildungsabschluss ein Riegel vorgeschoben.

Dabei würden auch Schulkinder ohne Migrationshintergrund von zusätzlicher Förderung profitieren: Jedes achte Kind in Deutschland weist erhebliche Sprachdefizite auf.

Bislang gehört nur in sieben Bundesländern die Sprachbildung zum Pflichtteil des Studiums. Die anderen Bundesländer überlassen es dem Zufall, ob ihre Lehrkräfte lernen, pädagogisch angemessen mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden umzugehen. Sie lassen die jungen Pädagogen mit dem Eintritt ins Referendariat ins kalte Wasser springen und nehmen vielen Kindern die Chance auf eine gute Bildung.

Anzeige
Weiteres zum Thema

Schule/Hochschule

spacer_bg