Anzeige
didacta 2018, 20. - 24. Februar
Startseite>News>Artikel
didacta DIGITAL

Mit Lernplattformen raus aus der digitalen Steinzeit?

Im internationalen Vergleich sind deutsche Schulen nur digitales Mittelmaß. Mit dem DigitalPakt Schule soll sich das jetzt ändern. Ein integraler Bestandteil der Strategie von Bund und Ländern: virtuelle Lernplattformen. Über die Systeme, die unsere Klassenräume endlich in die Moderne führen sollen und warum sie das nicht längst schon tun.

14.11.2017
Fremdsprachen

Bund und Länder wollen die digitale Kompetenz von Schülern ausbauen. In eine Maßnahme legen sie dabei besonders große Hoffnung: Lernplattformen, mit deren Hilfe das orts- und zeitunabhängige Lernen möglich ist. Neben technischen Geräten wie Beamer, Tablets und Co. wird die Klasse damit gezielt um den virtuellen Raum erweitert.

Doch neu ist diese Idee nicht: Schon seit Jahren arbeiten Schulen bundesweit mit dem IT-Angebot. Nur sind es noch lange nicht alle. Und zu viele benutzen unterschiedliche Systeme. Genau hier liegt das Problem.

Weit mehr als nur Chat-Forum

Aber zunächst zu den Qualitäten der Lernplattform. Mithilfe der webbasierten Systeme können Schüler, Lehrer und Eltern miteinander in Kontakt treten: egal wo und egal wann. Während im Falle der Eltern das Angebot tatsächlich nur auf die Kommunikation beschränkt bleiben dürfte, ist es für Schüler und Lehrer weit mehr als nur ein Chat-Forum. Unterrichtsmaterialien und Altklausuren können bereitgestellt und bearbeitet werden, Wikis erstellt und Klassenfahrten, Curriculum oder Arbeitspläne organisiert werden.

Die wahre Stärke der Lernplattform liegt allerdings in moderner und deutlich individualisierter Wissensvermittlung. Beispielsweise machen sie möglich, dass Schüler flexible Lernpfade durchlaufen. Gibt der Lerner dann bei einer Frage die falsche Antwort, erhält er unmittelbar Feedback und wird zu dem Teil zurückgeführt, der auf das Wissen über die Frage einzahlt.

Digitale Kompetenz stärken

Daneben verbessern die Schüler auch ihre digitale Kompetenz – das eigentliche Hauptziel vom DigitalPakt Schule. Denn ganz unterschiedliche Medien können für Projekte herangezogen werden: von YouTube-Clips über Audio- und Textdateien bis hin zu spezifischen Datei-Formaten von Geometrieprogrammen. Die Aufgabenstellung für Lehrer, die Lösungsansätze für Schüler – beides wird so vielfältig wie die digitale Welt selbst.

Mit den Plattformen binden Schulen einen wesentlichen Teil des alltäglichen Lebens ein, der lange Zeit ausgeblendet wurde: die Digitalisierung. Dass der Unterricht dringend durch die digitale Komponente ergänzt werden muss, zeigte nicht zuletzt die ICILS-Studie im Jahr 2013. Die Ergebnisse von "Computer-Pisa" machten deutlich, dass die IT-Rahmenbedingungen und die digitale Wissensvermittlung im internationalen Vergleich rückständig waren. Deutschland lag abgeschlagen hinter Ländern wie Norwegen, Dänemark oder Tschechien.

Woran die Umsetzung hakt

In allen Bundesländern kommen bereits Lernplattformen zum Einsatz: Nordrhein-Westfalen hat LOGINEO, Bayern mebis, Rheinland-Pfalz moodle@RLP. Sie entwickeln die Software selbst oder greifen auf kommerzielle Anbieter zurück. Doch die Heterogenität zwischen und sogar innerhalb der Länder schwächt die Plattformen. So stellte die Kultusministerkonferenz 2016 heraus: "Die Entscheidung für eine gemeinsame Plattform möglichst aller Schulformen einer Region erschließt signifikant weitere Möglichkeiten, die deutlich über die Nutzung von Einzelschulen hinausgehen." Beispielsweise könnten Abschlussprüfungen so zentral gesteuert werden.

Die größte Herausforderung stellt aber die aktuelle IT-Infrastruktur an den deutschen Schulen dar. Die Plattformen sind so konzipiert, dass sich jedes mobile Endgerät damit verbinden kann. Doch oft ist die Internetleistung zu schwach oder es mangelt an den Endgeräten selbst.

Fünf Milliarden Euro will der Bund bis 2022 für den DigitalPakt bereitstellen. Viel zu wenig, wie eine im November erschienene Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zeigt. "Rund 2,8 Mrd. Euro würden jährlich anfallen anfallen, wenn alle Grund- und weiterführenden Schulen mit lernförderlicher Computertechnik ausgestattet werden", so die Forscher. Dafür reichen die Gelder der Kommunen nicht aus – auch nicht mit der Subventionierung durch den Bund. Die Moderne wird so schnell wohl nicht kommen.

Anzeige
Weiteres zum Thema

didacta DIGITAL

spacer_bg