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PISA-Sieger Singapur: Was können sie, was wir nicht können?

Sprachen, Mathe, Naturwissenschaften: Deutsche Schülerinnen und Schüler sind im internationalen Vergleich nur Durchschnitt. Die beste unter den von PISA bewerteten Nationen ist Singapur. Was läuft dort besser? Und ist es überhaupt besser? Ein Blick über die Staatsgrenze.

12.12.2017
Artikel 5 PISA-Sieger-Singapur-internationaler-Vergleich

Die besten Schüler der Welt leben in Singapur – zumindest ergab das die letzte PISA-Studie . Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil der Inselstaat vor rund 50 Jahren noch als Entwicklungsland mit hoher Analphabetenquote galt. Eine Umstrukturierung der Bildung führte dazu, dass aus Singapur in kürzester Zeit eine Wissensgesellschaft wurde: 80 Prozent der Bevölkerung hat einen Hochschulabschluss. In 50 Jahren wuchs das Durchschnittseinkommen um den Faktor 100 und ist heute höher als in den USA.

Was ist das Besondere am Schulunterricht in Singapur?

Im Gegensatz zu unseren Schülern verbringen junge Singapurer von der Grundschule an deutlich mehr Zeit im Klassenzimmer: rund neun Stunden täglich. Anschließend folgen Nachhilfestunden in fast allen Fächern. 40 Prozent der Kinder besuchen bereits neben dem Kindergarten Hilfsschulen. A cht von zehn Grundschülern bekommen Nachhilfe , in der Oberstufe sind es dann immerhin noch 60 Prozent. Bis der Tag zu Ende geht, haben viele Schüler mehr als 12 Stunden mit Lernen verbracht.

Wer rückwärts denkt, gewinnt

Doch wer meint, die Schüler lernen täglich stundenlang auswendig, der irrt. Die Schulen legen Wert auf ganzheitlichen Unterricht in allen Themengebieten. Und auf Rückwärtsdenken: Das ist bei uns ein beliebtes Thema für Managementseminare und heißt nichts anderes, als dass ein Problem von hinten angegangen wird. Man stellt sich vor, das Ziel sei bereits erreicht, überlegt sich dann die einzelnen Schritte, die dazu nötig waren und gewinnt so neue Ideen. Vereinfacht dargestellt rechnen Singapurer Grundschüler nicht nur 2 x 4 = 8, sondern überlegen zusätzlich, welche Additionen, Subtraktionen, Divisionen und Multiplikationen am Ende zu der Zahl , 9, 10, 11 etc. führen. So können sie mit etwas Geschick ein System erkennen – und ganz alleine die Primzahlen finden. Oder sie überlegen, wie viele Menschen anfangs in einem Haus lebten, wenn dort am Ende noch fünf dreiköpfige Familien wohnen und zwischendrin sechs Familien ausgezogen sind – inklusive detaillierter Beschreibung des Rechenwegs. Die didaktische Herangehensweise an mathematische Aufgaben ist als „Singapur Maths“ inzwischen international bekannt. Ergänzend zeigen Lehrer Zaubertricks, die mathematisch erklärt werden können, entwickeln Textaufgaben mit geschichtlichen oder physikalischen Hintergründen und kommen so dem ganzheitlichen Unterricht ein Stück näher. In den Pausen lösen die Kinder Knobelaufgaben und Sudokus und absolvieren auf dem Tablet einen Lernparcours.

Und wo bleibt die Kreativität?

Allem Erfolg zum Trotz: Die singapurische Art des Unterrichtens ist nicht perfekt. Das stellten auch die Verantwortlichen in dem asiatischen Stadtstaat fest. Beispielsweise blieb bislang wenig Zeit für Kreativität – doch die brauchen die Unternehmenslenker und -gründer von morgen. Deshalb wurden die Lehrpläne unlängst ergänzt. Schüler erhalten nun auch Unterricht in Fußball, Singen, Theaterspielen oder sie treten Pfadfindergruppen bei. Ob das zielführend ist oder Schüler nicht einfach mehr Freizeit bräuchten, sei dahingestellt. Dennoch lohnt es sich, einen Blick über die Staatsgrenze zu werfen und einige Ideen nach Deutschland zu importieren. Schule und Bildung hat dort einen sehr hohen Stellenwert, es wird viel investiert in Technik und Lehrerbildung – offenbar mit Erfolg.

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