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Programmieren an Schulen – ein Kinderspiel?

Gehört Programmieren in Zukunft zum alltäglichen Spiel im Kindergarten? Werden Grundschüler bald neben Lesen, Schreiben und Rechnen auch Informatik lernen? Die Forderungen sind laut. Doch woran hakt es noch?

30.11.2017
Programmieren-an-Schulen-ein-Kinderspiel

Deutschland hinkt hinterher – zumindest bei der digitalen Bildung. Nur jeder zehnte Jugendliche weiß, wie man Programme schreibt oder eine Website erstellt. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Schon seit Jahren wird gefordert, Programmieren als Unterrichtsfach einzuführen. Doch die Diskussion kommt zu keinem Ende.

"Smartphones und Tablets gehören für viele Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich zum Alltag. Aber nur die wenigsten wissen, wie die Geräte eigentlich funktionieren", sagt Bitkom-Geschäftsleiter Christian Kulick. Aber wie sollen sie es auch lernen? Nur wenige Lehrer verfügen über die nötige Fachkenntnis, es fehlt an Fortbildungen und digitalen Lehrmaterialien. Kurzum: Die digitale Ausstattung von Bildungseinrichtungen lässt zu wünschen übrig, wie das Kompetenzzentrum Öffentliche IT in seinem Diskussionspapier zur Digitalen Bildung kritisiert.

Vorbereitung für den digitalen Berufsalltag

Aber wozu sollten Kinder und Jugendliche überhaupt Programmieren lernen? Grundsätzlich geht es darum, die grundlegenden Funktionen von Betriebssystemen zu lernen sowie das logische Denken zu fördern. Programmieren ist schließlich nichts anderes, als komplexe Probleme zu vereinfachen und zu strukturieren. Kompetenzen, die auch in vielen Berufsfeldern wichtig sind. Und je früher man damit anfängt, desto besser.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont die zentrale Rolle der digitalen Bildung in der Schule: „Ich denke, dass die Fähigkeit zum Programmieren eine der Basisfähigkeiten junger Menschen neben Lesen, Schreiben, Rechnen wird. Diese werden nicht wegfallen, aber Programmieren wird dazukommen,“ sagte sie in ihrer Rede zur Deutsch-Französischen Digitalkonferenz .

An Angeboten mangelt es nicht

Es gibt bereits zahlreiche Webangebote und Apps, mit denen sogar schon Kindergartenkinder erste Programmierversuche unternehmen können. Sie vermitteln auf spielerische Weise Grundkenntnisse für alle Altersstufen ab vier Jahren. So lassen sich zum Beispiel kleine Spiele programmieren und einfache Apps entwickeln. Es gibt Angebote für Science-Fiction-Fans, Rätselfreunde oder auch Tüftler von 3D-Animationen – und das größtenteils kostenlos.

Zusätzlich bieten unterschiedliche Plattformen wie App Camps kostenfreie Unterrichtsmaterialien zu Programmierung und digitalen Themen an. Dadurch können Lehrer bereits mit wenigen Grundkenntnissen die Basics in ihren Unterricht integrieren. Die Angebote alleine reichen allerdings nicht aus – aktuell bedarf es noch der Eigeninitiative der Lehrer, Eltern und Kinder, diese auch zu nutzen.

Zu wenig qualifizierte IT-Absolventen

Peter Liggesmeyer, Präsident der Gesellschaft für Informatik, fordert deswegen in einer Pressemitteilung den Informatikunterricht bereits ab der Grundschule im Lehrplan zu verankern: "Nur wenn Kinder frühzeitig mit der Informationstechnik – möglichst auf spielerische Weise – in Berührung kommen, kann in den Jugendlichen der Wunsch reifen, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen. Darauf müssen wir gemeinsam hinarbeiten."

Dies erfordert entsprechend ausgebildete Lehrkräfte. Jedoch zeigen sich besonders die Lehramtsstudenten nicht überaus digital-affin, wie die Bertelsmann Stiftung im Monitor Digitale Bildung herausfand. Was bedeutet das für die Bildungslandschaft? Schule und Studium bauen aufeinander auf. Erst wenn die Grundlagen vorhanden sind, wird es mehr qualifizierte Studienabgänger geben, die das Wissen vermitteln können.

Es ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei: Informatikunterricht erfordert ausgebildete Fachkräfte, an denen es momentan jedoch aufgrund der fehlenden Grundausbildung massiv mangelt. Wie könnte ein Lösungsansatz für diesen Zwiespalt aussehen? Die Experten sind sich einig: Es bedarf einer einheitlichen Strategie durch Bund und Länder sowie eines Finanzierungsplans. Vielleicht aber noch wichtiger: Es muss ein Bewusstsein in der Bildungslandschaft entstehen. Nur so lassen sich die fehlenden Lehrkräfte mit Fortbildungen und Workshops gewinnen sowie die Lehramtsstudiengänge an die digitale Welt anpassen.

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