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Wie Schulkantinen Kinder gesund ernähren könnten

Zu viel Fleisch, zu wenig Obst und Gemüse: So sieht das durchschnittliche Schulessen aus. Warum halten sich die Schulkantinen nicht an die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu gesundem und hochwertigem Essen?

17.01.2018
Artikel 10 Schulessen

Chicken Nuggets mit Pommes! Spaghetti Bolognese! Pizza! Würde man Deutschlands Kinder fragen, entspräche der Speiseplan gewiss nicht den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung . Welch Glück – aus Kindersicht –, dass auch die meisten Schul- und Kindergartenküchen wenig Wert auf gesunde Ernährung legen. Zwar kennt mehr als die Hälfte der befragten Schulleitungen den Standard: viel Obst und Gemüse, Fisch, Vollkornprodukte sowie maximal zweimal pro Woche Fleisch oder Wurst. Aber nur die Hälfte der Schulleiter, denen der Standard bekannt ist, sorgt auch dafür, dass die Kantinen diesen umsetzen . Das hat vor allem organisatorische und finanzielle Gründe.

Alles eine Budgetfrage?

Durchschnittlich 2,40 Euro kostet ein Essen in den Kindertagesstätten, 2,83 Euro an Grundschulen und 3,05 Euro an den weiterführenden Schulen. Frische Speisen lassen sich mit diesem Budget kaum zubereiten. Kartoffeln schälen dauert erheblich länger als Pommes in die Fritteuse zu schütten, eine Soße selbst herzustellen ist schwieriger als ein Paket mit dem entsprechenden Fertigprodukt zu öffnen. Für diesen Zeitaufwand benötigt die Schulkantine oder der Caterer mehr Personal und das wiederum ist kostenintensiv. Einfacher ist es, Fertigprodukte anzubieten – doch die sind häufig zu fett-, zucker- und salzhaltig. Die Folge ist schwerwiegend: Schon jetzt sind 15 Prozent aller Schüler übergewichtig, rund in Drittel davon fettleibig.

Konzepte für gesundes Essen

Warum schaffen es aber einige Schulen, Kindergärten und Caterer dennoch, Kindern gesundes, frisches Essen anzubieten? Die Vorzeigeküchen haben ein durchdachtes Konzept und setzen auf regionale Lebensmittel. Die sind günstiger als Fertiggerichte. Bei der Auswahl der frischen Lebensmittel beachten sie auch auf den Aufwand der Zubereitung – so lässt sich ein gesunder Kohl schneller zubereiten als Spargeln, die aufwändig geschält werden müssen. In manchen Schulküchen helfen auch Schüler beim Schnippeln und Kochen, beispielsweise in der Wollenbergschule Wetter oder in der Mittelschule am Glasberg . Beide bieten zunächst Kochunterricht an und erklären Kindern, wie man gesundes von ungesundem Essen unterscheidet.

Wie kommt die Kichererbse ins Kind?

Bleibt noch eine Herausforderung: Die meisten Kinder mögen lieber Pommes als Vollkornnudeln. Wie motiviert man sie dazu, gesund zu essen? Die Berliner Wedding-Schule hat eine Essenskommission aus Schülern gegründet. Die entscheidet, was im kommenden Monat gekocht wird – und lernt bei der Gelegenheit gleich, warum es in der Mensa keine Pommes gibt. Die freiwillige Ganztagsschule in Bexbach bietet regelmäßig Ernährungsseminare. Schon die Jüngsten werden so zu Ernährungsexperten. In der integrierten Gesamtschule in Braunschweig-Volkmarod e gibt es jeden Tag drei Probierschüler, die die Gerichte vor der Ausgabe testen und Rückmeldung an das Küchenteam geben. Dass die Kinder und Jugendlichen mitreden und selbst Einfluss auf die Gestaltung der Mahlzeiten nehmen können, ist ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz des Mittagessens.

Gelungene Praxisbeispiele

Viele spannende Beispiele gelungener Projekte rund um das Schul- und Kindergartenessen hat übrigens das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) zusammengetragen: http://www.nqz.de/ . Das NQZ ist ein Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und gibt auch Tipps für die organisatorische Umsetzung von gesunder Schulverpflegung.

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