Anzeige
Anzeige
didacta 2021, im Februar
Schule/Hochschule

Analoge oder digitale Bildung? Der Mix macht's

Technik ist kein Ersatz für guten Unterricht, kann aber ein sinnvolles Werkzeug sein. Entscheidend ist, wie sie eingesetzt wird.

24.01.2018
Digitalisierung
© www.pixabay.de

Jeder Schülerin und jedem Schüler ein Tablet, Smartboards für alle Klassenzimmer und Breitbandinternet an jeder Schule - viele Eltern und Lehrkräfte träumen von solch einer Ausstattung, dabei ist sie noch lange kein Garant für besseren Unterricht. Schon 2012 kam Prof. Steven E. Higgins, Erziehungswissenschaftler an der Durham University, zu dem Ergebnis, dass es wichtiger sei, wie Technologie im Klassenzimmer konkret zum Einsatz kommt, als welche. In seiner Studie über den Einfluss digitaler Technologie auf das Lernen betont er, dass die Computernutzung zwar guten Unterricht unterstützen könne, jedoch kein Ersatz für bestehende Unterrichtsmethoden sei. "Das deutet darauf hin, dass bestehende Methoden bereits relativ effektiv sind und dass es daher nicht so leicht ist, sie zu verbessern", sagte er gegenüber didacta DIGITAL.

Pädagogischer Nutzen im Vordergrund

Dennoch kann digitales Lernmaterial laut seiner Studie hilfreich sein, zum Beispiel beim individualisierten Lernen. So sei es einfacher möglich, jedem Kind einen Lehrplan zu bieten, der an sein Niveau angepasst ist. Schlechtere Schüler bekämen auf diese Weise die Möglichkeit aufzuschließen. Zudem haben sich bestimmte Strategien bewährt: So scheinen die Lernerfolge größer zu sein, wenn Kinder die Geräte unter Anleitung in Gruppenarbeit nutzen, anstatt einzeln damit zu arbeiten. Higgins empfiehlt darüber hinaus, sich nicht zu sehr auf die Vermittlung von Medienkompetenz zu fokussieren, sondern den pädagogischen Nutzen von Technik in den Vordergrund zu stellen. Wichtig sei außerdem eine konzentrierte Nutzung, zum Beispiel dreimal pro Woche über einen Projektzeitraum von maximal fünf bis zehn Wochen. Danach nehme die positive Wirkung auf die Lernleistung wieder ab.

Viele Faktoren führen zum Erfolg

Auch die tägliche Einsatzdauer entscheidet mit darüber, ob die Schüler mit digitalen Medien besser lernen, wie aus der OECD-Studie „"Students, computers and learning: Where's the connection?" hervorgeht. So wiesen Schülerinnen und Schüler, die mehr als 25 Minuten pro Schultag digital lernten, häufiger schlechte Leistungen auf. Pauschale Antworten darauf, wie wirksam digitale Medien im Unterricht sind, könne die Wissenschaft somit nicht liefern, ist Prof. Dr. Bardo Herzig, Direktor des Paderborner Zentrums für Bildungsforschung und Lehrerbildung, überzeugt. Unterrichtsprozesse seien ein "äußerst kompliziertes und multifaktorielles komplexes Geschehen". Die einfache Antwort für die Unterrichtsgestalter, "dass digitale Medien in den Unterrichtsprozessen per se diese oder jene Wirkung bei Schülerinnen und Schülern erzeugen", biete die Forschung also nicht, schreibt Herzig in einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Umso wichtiger sind erprobte Konzepte für die Praxis. Das haben auch Bund und Länder erkannt, weshalb sie sich für den anvisierten Digitalpakt auf eine klare Arbeitsteilung verständigten: Der Bund finanziert den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Länder sollen die entsprechenden pädagogischen Konzepte im Unterricht verankern.

Ab wann digital lernen?

Aber nicht erst in Schule, Ausbildung oder Studium können digitale Medien den Lernprozess fördern, wie Antje Bostelmann, Erzieherin und Autorin zahlreicher pädagogischer Fachbücher, in "Meine Kita" schreibt. Sie ist überzeugt, dass bereits in der Frühpädagogik beispielsweise Tablets zum Einsatz kommen sollten. Es gehe nicht um Spiele und Unterhaltung, sondern um "Lernprojekte, die, aktiv vom Kind ausgehend, Reales mit Virtuellem verbinden und dabei zu Lernerfolgen führen." Schließlich wüchsen Kinder in einer digitalisierten Welt auf. Bereits heute sei es Aufgabe von Erzieherinnen und Erziehern, sie beim Lernen zu begleiten und dabei Anregungen und Werkzeuge bereitzustellen. Und das nicht nur analog, sondern auch digital.

Copyright für das Bild: www.pixabay.de
Bildunterschrift: Richtig eingesetzt, können digitale Medien den Lernprozess unterstützen.
Hinweis zur Bildnutzung: Dieses Bild steht unter www.pixabay.com/de/tablette-b%C3%BCcher-bildung-1910017 zum Download bereit. Bitte beachten Sie die Nutzungshinweise auf www.pixabay.de.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:

Forum Unterrichtspraxis (Halle 12, Stand D46)
Dienstag, 20. Februar 2018
11:00 – 12:00 Uhr
Informatische Bildung und Technik in der Grundschule
Darüber sprechen vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), aus dem Fachbereich Medienbildung:
Christian Borowski und Maik Riecken
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
informatische-bildung-und-technik-in-der-grundschule/VOR/81660

Dienstag, 20. Februar 2018
15:00 – 16:30 Uhr
Unterrichtsqualität in der digitalen Welt
Es sprechen:
Prof. em. Dr. Hilbert Meyer, emeritierter Professor für Schulpädagogik
Carola Junghans, Pädagogische Seminarleiterin am Studienseminar und Grundschullehrerin in Oldenburg
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
unterrichtsqualitaet-in-der-digitalen-welt/VOR/81664

Forum didacta aktuell (Halle 12, Stand D14)
Dienstag, 20. Februar 2018
11:00 – 11:45 Uhr
Wie kann die digitale Bildungsrevolution gelingen?
Es diskutieren:
Dr. Julia Behrens, Bertelsmann Stiftung
Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung, Region Hannover
Antonia Müller, Auszubildende zur Kauffrau für audiovisuelle Medien, BBS
Joachim Maiß, Schulleiter, Multi Media Berufsbildende Schulen
Stefan Sayk, Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück
Veranstalter: Haus der Wirtschaftsförderung Hannover
wie-kann-die-digitale-bildungsrevolution-gelingen/PAN/81846

Dienstag, 20. Februar 2018
13:00 – 13:45 Uhr
Digitalisierung in der Arbeitswelt - Möglichkeiten und Perspektiven in der beruflichen Bildung
Darüber diskutieren:
Cornelia Frerichs, Niedersächsisches Kultusministerium
Frauke Keck-Pergner, Niedersächsisches Kultusministerium
Jennifer Meyer, BBS Neustadt am Rübenberge
Mechthild Pölking-Oeßelmann, Fachberaterin Agrarwirtschaft
Stefan Sayk, Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück
Mike Thielert, Fachleiter Elektrotechnik
Veranstalter: Niedersächsisches Kultusministerium
digitalisierung-in-der-arbeitswelt-moeglichkeiten-und-perspektiven-in-der-beruflichen-bildung/PAN/82215

Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Mittwoch, 21. Februar 2018
11:30 – 12:00 Uhr
Gen Z: Wie arbeiten „Z“-ler morgen?
Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz, Universität des Saarlandes
Veranstalter: Didacta Verband e. V. / Verband Bildungsmedien e. V.
gen-z-wie-arbeiten-die-z-ler-morgen/IN/81515

Freitag, 23. Februar 2018
13:00 – 13:45 Uhr
Kompetent. Selbstbestimmt. Digital.
Kinder und Jugendliche auf das Leben in der digitalen Welt vorbereiten
Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband e. V.
Herbert Jancke, Landesinitiative n-21
Lehrkräfte und Jugendliche
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

spacer_bg
spacer_bg

Kontaktieren Sie uns

spacer_bg