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didacta 2018, 20. - 24. Februar
Berufliche Bildung/Qualifizierung

Berufliche Bildung 4.0

"Der Ausbilder wusste früher mehr als der Auszubildende". Deutsche Unternehmen brauchen digital geschulten Nachwuchs. In der beruflichen Bildung müssen neben den Azubis aber auch die Ausbilderinnen und Ausbilder dazulernen, findet Kathrin Anandasivam, Wirtschaftsingenieurin und Ausbildungsleiterin beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf.

08.02.2018
Kathrin_Anandasivam_TRUMPF
©TRUMPF GmbH + Co. KG

Frau Anandasivam, was sind die größten Veränderungen, die die Digitalisierung in der beruflichen Bildung mit sich bringt?
Die größte Veränderung ist sicherlich, dass wir den jungen Menschen noch stärker beibringen müssen, lebenslang zu lernen, weil die technischen Entwicklungen immer schneller vorangehen. Es ist ziemlich sicher, dass keiner unserer Auszubildenden und dual Studierenden am Ende seines Arbeitslebens genau denselben Job machen wird, den er bei uns nach der Ausbildung übernimmt. Dass sie sich immer wieder neu erfinden und motivieren, etwas Neues zu lernen, sind Kompetenzen, die wir ihnen auf jeden Fall mitgeben müssen. Natürlich darf auch keine Scheu vor digitalen Medien bestehen. Man muss auf dem neuesten Stand bleiben, um sich immer wieder in die neuen Themen einarbeiten zu können.

Sehen Sie die heutigen Auszubildenden durch die Schule ausreichend auf eine digitale Arbeitswelt vorbereitet?
Ich bin der Meinung, dass das mit den Schulen noch nicht ausreichend funktioniert. Wir kooperieren eng mit einigen Schulen, und es wird bereits viel getan: In Baden-Württemberg kommt beispielsweise nach und nach Informatik in den Lehrplan. Aber es bedarf noch einiger Zusammenarbeit und auch Unterstützung von Bund und Ländern, damit noch mehr digitale Themen im Schulalltag verankert werden können.

Sollte es Ihrer Meinung nach ein Pflichtfach Informatik oder Medienkompetenz geben, um die Schülerinnen und Schüler auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vorzubereiten?
Es ist immer die Frage, was der Inhalt ist. Nur weil ich Medien bedienen kann, bin ich noch lange nicht auf die digitale Transformation oder Digitalthemen vorbereitet. Den Umgang mit digitalen Medien beherrschen die jungen Leute, die neu bei uns anfangen, zwar deutlich besser als wir. Die werden damit groß. Aber wenn wir von Medienkompetenz sprechen, zählen andere Fragen: Wie verifiziere ich das, was ich digital erlebe? Was ist hier überhaupt wahr? Was setze ich ein, was setze ich nicht ein? Solche Medienkompetenzen müssen auf jeden Fall Schulstoff sein. Es wäre auch gut, wenn die breite Masse der Schüler mehr mit echter Programmierung in Berührung käme. Damit sie lernen, wie die Medien, die sie ständig verwenden, überhaupt entstehen.

Welche Herausforderungen birgt die Digitalisierung für die Ausbilderinnen und Ausbilder?
Die Digitalisierung ist dermaßen schnelllebig, dass Ausbilder zukünftig nie mehr den Wissensvorsprung haben werden, den sie mal gewohnt waren. Der Ausbilder wusste früher immer mehr als der Auszubildende - das dreht sich im Bereich der digitalen Medien mittlerweile um. Diese Entwicklung wird sich auch fortsetzen, denn so schnell wird man sich die neuen Themen der Digitalisierung gar nicht aneignen können. Der Ausbilder muss lernen, zum Coach zu werden und die neuen Themen gemeinsam mit den Auszubildenden zu erlernen. Die Herausforderung wird immer sein, schnell genug zu sein und die Energie zu finden, am Ball zu bleiben.

Copyright für Bild: TRUMPF GmbH + Co. KG
Bildunterschrift: Als Ausbildungsleiterin ist Kathrin Anandasivam für insgesamt 440 Auszubildende der Trumpf GmbH zuständig.
Hinweis zur Bildnutzung: Dieses Bild kann unter Angabe der Bildquelle für die redaktionelle Berichterstattung verwendet werden.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:

Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Donnerstag, 22. Februar 2018
13:30 – 14:15 Uhr
Best Practice: TRUMPF. Gemeinsam zum Ziel
Es spricht: Kathrin Anandasivam, Ausbildungsleiterin, TRUMPF GmbH + Co. KG
Veranstalter: Didacta Verband e. V. / Verband Bildungsmedien e. V.
best-practice-trumpf.-gemeinsam-zum-ziel/IN/81522

Forum didacta aktuell (Halle 12, Stand D14)
Dienstag, 20. Februar 2018
13:00 – 13:45 Uhr
Digitalisierung in der Arbeitswelt - Möglichkeiten und Perspektiven in der beruflichen Bildung
Es diskutieren:
Cornelia Frerichs, Niedersächsisches Kultusministerium
Frauke Keck-Pergner, Niedersächsisches Kultusministerium
Jennifer Meyer, BBS Neustadt am Rübenberge
Mechthild Pölking-Oeßelmann, Fachberaterin Agrarwirtschaft
Stefan Sayk, Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück
Mike Thielert, Fachleiter Elektrotechnik
Veranstalter: Niedersächsisches Kultusministerium
digitalisierung-in-der-arbeitswelt-moeglichkeiten-und-perspektiven-in-der-beruflichen-bildung/PAN/82215

Forum didacta DIGITAL (Halle 13, Stand C124)
Donnerstag, 22. Februar 2018
14:00 – 14:45 Uhr
Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung
Anhand von Beispielen aus der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Heidelberg wird von erfolgreichen mobile Learning-Szenarien berichtet.
Veranstalter: Didacta Verband e. V.
digitalisierung-in-der-aus-und-weiterbildung/VOR/82864

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