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didacta 2018, 20. - 24. Februar
Berufliche Bildung/Qualifizierung

Berufsbildung 4.0: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

"Irgendwas mit Medien" - was früher als Plattitüde bei der Jobsuche galt, beschreibt heute fast jeden Beruf. Arbeitsstellen ohne digitalen Bezug gibt es kaum noch. Mit Rückenwind aus Wirtschaft und Politik rüstet sich die berufliche Bildung für den digitalen Wandel.

31.12.2017
Digitalisierung
© www.pixabay.com

Ein Betrieb ohne eigene Website? Unvorstellbar. Eine Fertigungslinie ohne Computer? Ineffektiv. Im Berufsleben und damit auch in der Berufsausbildung werden digitale Kompetenzen immer wichtiger - und die berufliche Bildung damit zu einem Vorreiter beim digitalen Lehren und Lernen. "Die Aktualität der Ausbildung steht und fällt mit dem Engagement und dem Wissen des Ausbildungspersonals. Damit meine ich sowohl das Ausbildungspersonal im Betrieb als auch das Lehrpersonal in der Berufsschule", bekräftigte Friedrich Hubert Esser, Leiter des Bundesinstituts für Berufsbildung, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Für die Wirtschaft von morgen brauchen wir eine Berufsbildung 4.0, die mit der Digitalisierung mithält." Schon 2016 startete das Bundesministerium für Bildung und Forschung daher die Initiative "Berufsausbildung 4.0", mit der die Digitalisierung in der Ausbildung schneller vorangebracht werden soll. Hierbei steht unter anderem die konkrete Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte im Mittelpunkt. Bundesweit werden so mindestens 1 200 Ausbilderinnen und Ausbilder geschult.

Digitaler Wandel als Chance

Die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka betont die neuen Unterrichtsmöglichkeiten, die sich durch die Digitalisierung ergeben: "Der digitale Wandel schafft neue Anforderungen an die Qualifizierung von Fachkräften, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten, Wissen mit digitalen Lern- und Lehrformaten zu vermitteln." Die Unternehmen erkennen darin ihre Chance: Der Lebensmittelhändler Edeka zum Beispiel setzt verstärkt auf den Einsatz von E-Learning-Modulen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter absolvieren jährlich mehr als eine Million Online-Kurse.

Infrastruktur ohne Bildungskonzept

Fest steht leider auch: Bei den Berufsschulen klafft noch eine Lücke zwischen der Alltagsrealität der Schüler und der Unterrichtsumgebung. Das ist ein Ergebnis des "Monitor Digitale Bildung - Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter" der Bertelsmann Stiftung. Azubis und erfahrene Lehrkräfte treiben demnach die Veränderungen voran, doch die Möglichkeiten werden bisher vielfach nicht ausgenutzt. Viele Schulen beschränken sich auf die Ausstattung mit Geräten und Infrastruktur, es fehle aber an geeigneten Unterrichtskonzepten, die die Potenziale des digitalen Lernens ausschöpfen.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Gerald Lembke von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg auch den anstehenden "DigitalPakt#D". Das Bundesbildungsministerium unter Johanna Wanka hatte das Förderprojekt auf den Weg gebracht, das unter anderem Berufsschulen deutschlandweit mit Digitalgeräten ausstatten soll - gekoppelt an die digitale Strategie der KMK bei den Lerninhalten. Das sei so allein noch nicht zielführend, meint Lembke, stattdessen brauche man konzentrierte Investitionen in die berufliche Bildung: "Man sollte hier nicht mit dem Gießkannenprinzip arbeiten. Das passiert in der Bildung aber seit Dekaden." Statt einzelner Geräte für die Schüler sollten Berufsschulen High-Tech-Labore erhalten, verbunden mit einer entsprechenden Ausbildung der Lehrkräfte, sagt Lembke.

Lebenslang lernen

Und auch alle, die bereits im Berufsleben stehen, müssen sich auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 einstellen. Knapp 40 Prozent der Personalleiter sind der Meinung, dass ihre Angestellten weniger gut bis schlecht auf die digitalen Anforderungen im Unternehmen vorbereitet sind, so das Ergebnis der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung. Der Leiter der Randstad Akademie, Dr. Christoph Kahlenberg, gibt ihnen einen Rat mit auf den Weg: "Gerade, wenn sich Unternehmen für die Digitalisierung aufstellen, sollten sie Weiterbildungen große Bedeutung beimessen."

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Bildunterschrift: Die Wirtschaft braucht digital ausgebildete Fachkräfte. Doch vorher müssen die Berufsschullehrer auf den digitalen Wandel vorbereitet werden.
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Hintergrund
Im Rahmen der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Dachinitiative "Berufsbildung 4.0" ins Leben gerufen. Mit deren Hilfe werden u. a. die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Qualifikationsanforderungen in ausgewählten Berufsbildern untersucht, die digitale Ausstattung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und der Einsatz digitaler Medien in der Ausbildung gefördert.

Die Dienstleister für die Ausbildung in MINT-Berufen, die Bildungsmedienverlage, IT-Unternehmen, Stiftungen und Initiativen präsentieren auf der didacta 2018 in Hannover ihre Angebote für das digital gestützte Lehren und Lernen in der Erstausbildung und für die berufliche Fort- und Weiterbildung. Vorträge, Podien und Fortbildungsveranstaltungen zeigen, wie ein didaktisch sinnvoller Einsatz digitaler Medien in Betrieben, Schulen und Instituten der Erwachsenenbildung aussehen kann. Zu den Referenten gehören auch Christoph Kahlenberg, Gerald Lembke und Jens Kettler von Edeka.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:
Forum Bildung (Halle 12, Stand C45)
Freitag, 23. Februar 2018
12:15 – 13:15 Uhr

Digitale Schule: Wann wird sie Wirklichkeit?
Darüber diskutieren:
Prof. Dr. Gerald Lembke, Mannheim
Matthias Graf von Kielmansegg, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Leiter Abteilung 1 "Grundsatzfragen; Strategie; Digitaler Wandel"
Dr. Ilas Körner-Wellershaus, Stellvertretender Vorsitzender Verband Bildungsmedien e. V.
Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.
veranstaltung/digitale-schule-wann-wird-sie-wirklichkeit/PAN/81638

Forum Qualifizierung (Halle 13, Stand E50)
Samstag, 24. Februar 2018
11:10 – 11:50 Uhr
Die digitalisierte Arbeitswelt - eine Chance für Geringqualifizierte?
Dr. Christoph Kahlenberg, Leiter der Randstad Akademie
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V.
veranstaltung/die-digitalisierte-arbeitswelt-eine-chance-fuer-geringqualifizierte/VOR/81487

Samstag, 24. Februar 2018
10:30 – 11:30 Uhr
Keynote: Digitalisierung, Weiterbildung und Künstliche Intelligenz
Prof. Dr. habil. Christoph Igel, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI, Wissenschaftlicher Direktor Educational Technology Lab (angefragt)
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V.
www.didacta-hannover.de/veranstaltung/digitalisierung-in-der-weiterbildung/KEY/81499

Samstag, 24. Februar 2018
12:30 – 13:30 Uhr
Wissenserwerb 4.0: Chancen und Grenzen von digitaler Weiterbildung
Carmen Heinze, Projektleiterin im Steinbeis-Beratungszentrum Wissensmanagement Augsburg
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e. V.
wwveranstaltung/wissenserwerb-4.0-chancen-und-grenzen-von-digitaler-weiterbildung/VOR/81501

Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Dienstag, 20. Februar 2018
12:15 – 13:15 Uhr
Podium: Berufsbildung 2018: Wo bleibt die e-Didaktik?
Darüber diskutieren:
Michael Härtel, BIBB
Ralph Müller-Eiselt, Bertelsmann-Stiftung, Autor der Studie "Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter"
Joachim Maiß, Multi-Media Berufsbildende Schulen (MMBbS)
Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer, IEB Berlin, Autor der Studie
veranstaltung/berufsbildung-2018-wo-bleibt-die-e-didaktik/PAN/81506

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