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didacta 2021, im Februar
Bildung

"Das ist ein Weg, den man gemeinsam gehen muss"

Seit November letzten Jahres ist Grant Hendrik Tonne Kultusminister in Niedersachsen. Im Interview spricht er über Bürokratieabbau, die Besoldung von Lehrkräften und seine Pläne für eine gebührenfreie Bildung.

16.02.2018
Minister_Tonne
© Presse- und Informationsstelle der Niedersächsischen Landesregierung / Fotograf: Philipp von Ditfurth

Herr Minister, Sie haben bei Ihrer Amtsübernahme gesagt, dass es Schulstrukturdebatten mit Ihnen nicht geben wird. Warum?
Weil ich mir davon nichts verspreche. Wir haben häufig eine ideologisch hoch aufgeladene Debatte geführt, die keinem wirklich hilft. Ich habe großes Vertrauen darauf, dass man sich vor Ort mit guten Gründen entscheidet, eine bestimmte Schule oder Schulform haben zu wollen. Dem will ich nichts in den Weg stellen. Wir haben ein breites Schulangebot, das ist auch gut so.

Wie wollen Sie Lehrkräfte entlasten und die Attraktivität des Lehrerberufs stärken?
Das sind beides Aufgaben, die nicht durch einen einzelnen Beschluss erledigt werden können. Das ist ein Weg, den man gemeinsam gehen muss und den ich hier im Dialog mit allen Beteiligten gehen möchte. Wie kommen wir zu wirkungsvollen Entlastungen? Das kann man zum einen über Anrechnungs- und Entlastungsstunden machen. Das kann man zum anderen aber auch machen, indem man sich sehr genau anschaut, was Lehrkräfte eigentlich an Bürokratie im Schulalltag miterledigen müssen und ob das alles nötig ist. Muss jede Vorgabe ausführlich dokumentiert werden oder geht es auch mit mehr Vertrauen in unsere Lehrkräfte? Dazu gehört zudem, dass noch mehr Unterstützung durch nicht-lehrendes Personal direkt bei den Schulen ankommt. Ich spreche dabei über noch mehr schulische Sozialarbeit und die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams insgesamt. Diesem Thema widmen wir uns übrigens auch im Rahmen der didacta 2018 mit einem eigenen Kongress. Bei Attraktivität geht es selbstredend auch ums Geld. Wir haben für Niedersachsen jetzt gesagt: Der erste Schritt ist es, dass die Leitungen von kleinen Grundschulen von A12Z auf A13 angehoben werden sollen. Hier haben wir momentan die größte Gerechtigkeitslücke. Mit den Verbänden und Gewerkschaften schauen wir uns im zweiten Schritt an, wie wir die Besoldungsstruktur insgesamt verbessern können. Nur einzelne Lehrämter besser zu bezahlen, ist kaum zielführend, sondern wir brauchen möglichst ein von allen Seiten akzeptiertes Besoldungssystem.

Eines Ihrer Ziele ist die gebührenfreie Bildung vom Kindergarten bis zum Studium. Wie wollen Sie das umsetzen?
Ich möchte daran erinnern, dass wir in der letzten Wahlperiode die Studiengebühren in Niedersachsen abgeschafft haben. Als nächstes soll der Kindergartenbesuch gebührenfrei werden. Wir haben aber noch weitere Bereiche identifiziert, wo wir in dieser Wahlperiode Handlungsbedarf haben. Gebührenfreie Bildung ist das übergeordnete Ziel und das vertrete ich aus vollster Überzeugung: Bildung darf kein Luxusgut sein. Deshalb arbeiten wir auch daran, die Nutzung des ÖPNV während des Oberstufenbesuchs und bzw. beim Besuch einer berufsbildenden Schule möglichst kostenfrei zu stellen. Auch beim Erwerb des Meistertitels wollen wir besser unterstützen. Der Meister ist uns genauso viel wert wie der Masterabschluss. Und dieser Logik folgend muss dann auch eine Meisterausbildung gebührenfrei sein.

Ab dem Kindergartenjahr 2018/2019 soll der Besuch von Kindergärten gebührenfrei sein. Wie sehen Ihre weiteren Pläne für die Kitas aus?
Wir brauchen dringend mehr Fachkräfte, darum wollen wir eine Debatte führen: Wie kann man durch finanzielle Anreize mehr junge Menschen dafür begeistern, Erzieherin oder Erzieher zu werden? Wie kriegen wir diese Auszubildenden schneller als bisher in die Kitas? Wir können auch schauen, ob wir junge Menschen, die bisher eine andere Ausbildung gemacht haben, über Erweiterung des Quereinstiegs in den Erzieherberuf bekommen, ohne die pädagogische Ausbildung zu schmälern. Und wir sind dabei, Geld bereitzustellen, um noch mehr Plätze im Kindergarten und im Krippenbereich zu schaffen. Das Kindertagesstättengesetz werden wir unter qualitativen Gesichtspunkten verbessern. Das ist alles in allem sehr ambitioniert, aber auch dringend nötig aufgrund der Bedeutung der frühkindlichen Bildung.

Was sind die größten Herausforderungen für eine wohnortnahe und betriebsnahe Beschulung von Auszubildenden, Schülerinnen und Schülern in einem Flächenland wie Niedersachsen?
Das ist ein stetiger Spagat: es auf der einen Seite möglichst wohnort- oder betriebsnah hinzukriegen, um möglichst viele Ausbildungsgänge anbieten zu können, auf der anderen Seite aber auch die entsprechenden Lehrkräfte zur Verfügung stellen zu können. In Zeiten des Lehrkräftemangels ist das eine große Herausforderung. Etwas augenzwinkernd könnte man sagen, "erschwerend" kommt hinzu: Immer dann, wenn die Wirtschaft richtig brummt, ist es noch schwieriger, Lehrkräfte für die berufsbildenden Schulen zu finden, weil die in der Wirtschaft auch eine sehr gute Bleibe finden. Auch an dieser Stelle müssen wir daher über Flexibilisierungen zum Beispiel beim Quereinstieg nachdenken. Mit dem Bündnis Duale Berufsausbildung haben wir eine gute Plattform, um diese und weitere Fragen der beruflichen Bildung mit allen relevanten Akteuren zu diskutieren und akzeptierte Lösungen zu erarbeiten.

Copyright für das Bild: Presse- und Informationsstelle der Niedersächsischen Landesregierung / Fotograf: Philipp von Ditfurth
Bildunterschrift: Grant Hendrik Tonne ist seit Ende 2017 Kultusminister in Niedersachsen.
Hinweis zur Bildnutzung: Dieses Bild kann unter Angabe der Bildquelle für die redaktionelle Berichterstattung verwendet werden.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:
Dienstag, 20. Februar 2018
Beginn: 10 Uhr
Eröffnung der didacta 2018
Mit u.a. Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Kultusminister
Convention Center (CC), Saal 2
Alle Infos: Eröfnungsfeier didacta 2018

Forum Bildung (Halle 12, Stand C45)
Dienstag, 20. Februar 2018
14.15 - 15.15 Uhr
Schule in Niedersachsen: Quo vadis?
Grant Hendrik Tonne, Kultusminister des Landes Niedersachsen
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.
schule-in-niedersachsen-quo-vadis

Freitag, 23. Februar 2018
11:00 – 12:00 Uhr
Traumjob Schule: Wie wird er Lehrberuf wieder attraktiver?
Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung der Freien und Hansestadt Hamburg
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.
traumjob-schule-wie-wird-der-lehrberuf-wieder-attraktiver

Forum didacta aktuell (Halle 12, Stand D14)
Mittwoch, 21. Februar 2018
14:00 – 14:45 Uhr
Lehrkräftemangel - Attraktivität des Berufs erhöhen jetzt!
Es diskutieren:
Grant Hendrik Tonne, Kultusminister des Landes Niedersachsen
Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Veranstalter: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
lehrkraeftemangel-attraktivitaet-des-berufs-erhoehen-jetzt
Donnerstag, 22. Februar 2018
15:00 – 15:45 Uhr
Zwischen Beschäftigungsrekord und Fachkräftemangel – dem Phänomen in Kitas endlich wirkungsvoll begegnen
Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband der Bildungswirtschaft
Prof. Dr. Stefan Sell, Hochschule Koblenz, RheinAhrCampus Remagen
Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Kultusminister
Veranstalter: Didacta Verband e. V.
buendnis-fruehkindliche-bildung-zwischen-beschaeftigungsrekord-und-fachkraeftemangel

Weitere Veranstaltungen zum Thema:
Forum Unterrichtspraxis (Halle 12, Stand D46)
Mittwoch, 21. Februar 2018
12:00 – 13:00 Uhr
Medienkompetent ausbilden an niedersächsischen Studienseminaren
Welche Möglichkeiten haben Fachseminarleitungen, Medienbildung fachübergreifend in Studienseminaren zu integrieren? Wie kann man eine medienpädagogische Zusatzqualifikation in Studienseminaren realisieren? Wie wird das Konzept bereits in Studienseminaren umgesetzt?
Dr. Nicole Proksza, Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), Fachbereich 35 Medienbildung, Hildesheim
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.
medienkompetenz-ausbilden-an-niedersaechsischen-studienseminaren

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