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didacta 2018, 20. - 24. Februar
Berufliche Bildung/Qualifizierung

Keine intellektuelle Unterordnung unter den Roboter

Die Arbeitswelt wird durch den Einsatz neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Roboter stark verändert. Wie Menschen künftig arbeiten werden, verrät Digitalisierungsforscher Prof. Dr. Christoph Igel im Interview.

23.11.2017
Portrait_Igel
Prof. Dr. Christoph Igel, wissenschaftlicher Direktor des Educational Technology Lab des DFKI Berlin

Herr Prof. Dr. Igel, wie verändert künstliche Intelligenz die Arbeitswelt der Zukunft?

Für mich ist die primäre Perspektive: Wie verändert sich der konkrete Arbeitsplatz? Wie verändert sich die Tätigkeit von Menschen? Wie schaffen wir es, die Produktivität, den volkswirtschaftlichen und wissenschaftlichen Nutzen hochzuhalten und zukunftsfähig zu sein? Und wie schaffen wir es, die Menschen in diese neue Arbeitsplatzsituation zu integrieren? Da haben wir verschiedene Treiber. Zum einen die Vernetzung von Maschinen mit dem Internet und die Veränderung von Tätigkeiten durch diese Vernetzung. Zum anderen alle Entwicklungen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), die sich unter dem Schlagwort maschinelles Lernen zusammenfassen lassen.

Was ist bei der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter die größte Veränderung der letzten Jahre?

Wir erleben zwei ganz wesentliche Veränderungen. Das eine geht manchmal ein bisschen unter, weil das für uns einfach selbstverständlich ist: mögliche Interaktionsformen. Also dass wir heute Roboter haben, die mit uns reden können, die auf Gestik reagieren, die zukünftig auf Mimik reagieren. Und wir werden in zunehmendem Maße Roboter haben, die im Alltag unterwegs sind, die in Bildungsprozesse eingebunden werden, die unter Nutzung von KI als autonome Systeme agieren und in eine quasi menschliche Interaktionsform mit uns treten können.

Früher haben Roboter Menschen bei der Arbeit unterstützt. Geht der Trend heute in die andere Richtung: Menschen assistieren Robotern?

Es ist sehr pauschal, aber Sie bringen es auf den Punkt. Wir haben die ersten Arbeitsplätze, an denen der Mensch unterstützend für Robotersysteme tätig ist. Wo wir nicht mehr über Mensch-Roboter-, sondern über Roboter-Mensch-Kollaboration reden. Aber dieses Assistieren ist keine intellektuelle Unterordnung unter den Roboter. Wir nutzen im Prinzip die zunehmenden Fähigkeiten, die da sind. Der Mensch hat dabei zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, die Steuerung wieder an sich zu nehmen.

Glauben Sie, dass wir in Zukunft überhaupt noch arbeiten müssen?

Wir werden in der Lage sein, nur noch solche Dinge zu tun - und das "nur noch" ist keine Einschränkung, sondern eigentlich eine qualitativ tolle Aussage -, die Robotik oder künstliche Intelligenz nicht besser können als wir. Es ist gar nicht so sehr die Frage, ob KI oder Hochtechnologie die Tätigkeit des Menschen ersetzt. Die Frage wird eher sein: Was kann der Mensch mehr und besser und anders als Hochtechnologie? Fakt ist, dass es uns die Chance gibt, auf Tätigkeiten zu schauen, die uns als Mensch am Ende des Tages ausmachen.

In welchen Berufen sind Menschen besser?

Es geht gar nicht so sehr um die Frage von Berufen, es geht mehr um die Frage von Tätigkeiten. Denken Sie an Sachbearbeitung in Versicherungen oder in Banken, Tätigkeiten, bei denen komplexe Berechnungen notwendig sind, wo viele standardisierte Prozesse ablaufen. Da werden wir erleben, dass Technologien dies besser können als Menschen, weil sie schneller und exakter sind. An der Stelle ist die Frage nicht, welcher Job wegfällt, sondern welche Tätigkeiten potenziell substituiert werden können. Was übrig bleibt, sind alle Dinge, die etwas mit Kreativität, kritischem Denken, Reflexion, sozialer Interaktion zu tun haben - mit allem, was ein gewisses Maß an Qualifizierung und Bildung erfordert. Das sind die Dinge, auf die wir in Zukunft schauen müssen.

Copyright für Bild(er): DFKI | EdTec Lab, 2017
Bildunterschrift(en): Prof. Dr. Christoph Igel ist wissenschaftlicher Direktor des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin.
Hinweis zur Bildnutzung: Dieses Bild kann unter Angabe der Bildquelle für die redaktionelle Berichterstattung verwendet werden.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:
Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Dienstag, 20. Februar 2018
11:30 - 12 Uhr
Beruf 4.0 = Roboter und AI?
Für welche Berufe wir auch in Zukunft Menschen brauchen werden
Prof. Dr. Christoph Igel ist wissenschaftlicher Direktor des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin.
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft und Verband Bildungsmedien e. V.

Forum Qualifizierung (Halle 13, Stand E50)
Samstag, 24. Februar 2018
10:30 - 11:30 Uhr
Keynote: Digitalisierung, Weiterbildung und Künstliche Intelligenz
Prof. Dr. Christoph Igel ist wissenschaftlicher Direktor des Educational Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin.
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft

Weitere Veranstaltungen zum Thema:
Forum Qualifizierung (Halle 13, Stand E50)
Donnerstag, 22. Februar 2018
9:30 - 16 Uhr
Berufliche Weiterbildung in der digitalisierten Arbeitswelt
Thementag des Demographie Netzwerks e.V. (ddn)
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft

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