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didacta 2021, im Februar
Berufliche Bildung/Qualifizierung

Pflege mit Zukunft

Mit der Zusammenfassung der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einem gemeinsamen Ausbildungsberuf ist für Berufsvertreterinnen und -vertreter ein hart errungener Meilenstein erreicht. Sie sind sich aber auch einig: Es bleibt viel zu tun.

21.01.2018
Pflege
©www.pixabay.de

Nach langem Zögern hat sich die bisherige Regierungskoalition doch noch vor Ende der Legislaturperiode auf ein neues Pflegeberufegesetz geeinigt. Für künftige Pflegekräfte bedeutet das: Unabhängig vom Alter ihrer Patienten durchlaufen sie eine gemeinsame Ausbildung mit dem Abschluss "Pflegefachfrau/-mann" und optionaler Schwerpunktbildung. Für diese generalistische Ausbildung hatten Berufsverbände jahrelang gekämpft. Sie setzen große Hoffnungen auf die Reform: "Sie gewährleistet, dass sich der Beruf den veränderten Anforderungen an die Pflege anpasst und damit zukunftsfest wird. Die generalistische Ausbildung steigert die Attraktivität des Berufes und ist international anschlussfähig", so der Deutsche Pflegerat. Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes im Januar 2020 sind aber noch viele praktische Fragen zu klären, etwa, wie Unterricht und Praxisteile konkret gestaltet werden. Die Zeit drängt, mahnt der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, denn: "Jede weitere Verzögerung sorgt für mehr Irritationen und kostet die Pflege Image und am Beruf interessierte, geeignete Schulabgänger."

Mehr Fachkräfte - aber wie?

Dieser Nachwuchs ist für die alternde Gesellschaft immens wichtig. Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl auf rund 4,5 Millionen wachsen, schätzt das Statistische Bundesamt. Doch in kaum einer Branche ist der Fachkräftemangel so ausgeprägt. Vor allem qualifizierte Altenpflegerinnen und -pfleger werden gesucht: Auf 100 freie Stellen kommen gerade einmal 22 passend qualifizierte Arbeitslose. In der Gesundheits- und Krankenpflege sind es 45.

Ob eine stärkere Akademisierung bestimmter Arbeitsbereiche die Attraktivität des Berufs erhöhen könnte, darüber sind Experten uneins, so das Ergebnis der Pflegestudie 2017 der Hochschule Niederrhein. Viele halten einen Mix aus akademischen und anderen Ausbildungsangeboten für sinnvoll. Dabei müsse jedoch nach Tätigkeiten differenziert werden: Ein Bachelorabsolvent kann zum Beispiel Beratungstätigkeiten oder Projekte übernehmen, eine schulisch ausgebildete Pflegekraft die pflegerischen Kernaufgaben am und mit dem Patienten. Der Wissenschaftsrat empfiehlt dementsprechend eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent in den Gesundheitsfachberufen. Andere warnen indes vor den Kosten, die eine Akademisierung verursachen würde.

Digitale Helfer

Abhilfe könnte auch die Digitalisierung schaffen. Dabei steht hierzulande weniger der vollwertige Pflegeroboter im Fokus, sondern Assistenzsysteme, die Pflegende und Patienten unterstützen. Das können intelligente Betten sein, Tassen, die die Flüssigkeitsaufnahme überwachen, oder Sensorsysteme, die erkennen, dass eine Person gestürzt ist und eigenständig Hilfe rufen. Und digitale Systeme ermöglichen effizientere Abläufe und eine bessere Vernetzung aller Beteiligten - das heißt mehr Zeit für die Patienten.

Doch trotz großer Potenziale steht die Entwicklung laut einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums noch am Anfang. Dienstleistern und Angehörigen fehlt die technische Kompetenz, und IT-gestützte Pflegelösungen sind mitunter wenig nutzerfreundlich. Zudem ist weitgehend unklar, inwiefern sich der Einsatz finanziell rechnet.

Spezielle Anforderungen, spezielle Kenntnisse

Um vom medizinisch-technischen Fortschritt zu profitieren, müssten sich Fachkräfte ständig weiterbilden. Auch die Betreuung einer zunehmenden Zahl Demenzkranker erfordert besondere Kenntnisse. Doch das Fortbildungsangebot ist unübersichtlich, ergab eine Analyse der Hochschule Ostfalia. Eine bundesweite, auf den Pflegebereich spezialisierte Datenbank existiert ebenso wenig wie einheitliche Regelungen zu Kosten, Abschlüssen und Curricula - diese variieren je nach Bundesland. Für mehr Transparenz könnten Pflegekammern sorgen, die es bisher nur in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gibt. Das Fazit der Pflegestudie: "Gesundheitseinrichtungen mit systematischen Fort- und Weiterbildungskonzepten werden in Zeiten des Fachkräftemangels die Gewinner von morgen sein."

Copyright für das Bild: www.pixabay.de
Bildunterschrift: Der Fachkräftemangel ist nur eine der Herausforderungen für die Pflegebranche, aber es gibt Lösungen.
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Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:

Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Donnerstag, 22. Februar 2018
12:15 – 13:15 Uhr

Generalistische Pflege: Was kommt auf die beruflichen Schulen zu?
Es diskutieren:
Ulrike Heß, Praxisanleiterin, Universitätsmedizin Greifswald
Christine Vogler, Schulleiterin, Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Wannsee-Schule für Gesundheitsberufe e. V.
N.N., Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e.V. und Verband Bildungsmedien e. V.
generalistische-pflege-was-kommt-auf-die-beruflichen-schulen-zu

Freitag, 23. Februar 2018
13:30 – 14:15 Uhr
Best Practice: AUF DER BULT. Professionelle Pflegeausbildung
Sabine Marx, Leiterin der Schule für Gesundheits- und Kinderkrankenpflege des Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e.V. / Verband Bildungsmedien e. V.
best-practice-auf-der-bult.-professionelle-pflegeausbildung

VBE-Stand, Halle 12, Stand C77
Dienstag, 20. Februar 2018
10:00 – 11:00 Uhr
Gesund im Alter - Prävention und Fragen
Heinrich Bahns, Seniorensprecher des Verbandes Bildung und Erziehung Niedersachsen
Veranstalter: Verband Bildung und Erziehung Landesverband Niedersachsen e.V.
gesund-im-alter-praevention-und-fragen

Forum Berufliche Bildung (Halle 13, Stand F104)
Dienstag, 20. Februar 2018
11:30 – 12:00 Uhr
Beruf 4.0 = Roboter und AI? Für welche Berufe wir auch in Zukunft Menschen brauchen werden
Interview mit Prof. Dr. habil. Christoph Igel, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft e.V. und Verband Bildungsmedien e. V.
beruf-4.0-roboter-und-ai-fuer-welche-berufe-wir-auch-in-zukunft-menschen-brauchen-werden

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