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didacta 2018, 20. - 24. Februar
didacta News

Schwänzen hätte ich mich nicht getraut

Hartmut Engler, Frontmann der Band PUR, mag G8 nicht besonders und plädiert dafür, das Selbstwertgefühl deutscher Schüler zu stärken. Er ist Schirmherr der Kinderhilfsaktion "Herzenssache" und wird anlässlich der didacta 2018 in Hannover als Bildungsbotschafter ausgezeichnet.

28.11.2017
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Hartmut Engler ist seit 2013 Schirmherr von Herzenssache e.V., der Kinderhilfsaktion von SWR, SR und der Sparda-Bank.

Herr Engler, in Ihrem Song "Abenteuerland" singen Sie: "Du kannst tanzen, taumeln, träumen und die Schule versäumen." Haben Sie als Kind oft die Schule versäumt?

Meiner Anwesenheitspflicht bin ich immer nachgekommen. Es war damals nicht selbstverständlich, dass man vom Dorf in die nächste Großstadt aufs Gymnasium wechseln darf. Da ich aus einer sozial sehr schwachen Familie kam, war es dann für mich natürlich ganz wichtig, dass ich mich besonders anstrenge. Zu schwänzen hätte ich mich gar nicht getraut, aber ich habe dennoch viel Schule versäumt, weil ich mich weggeträumt habe. In meinem Leben als Musiker hat mich nachher aber niemand jemals nach meinen Schulnoten gefragt, obwohl ich ein gutes Abitur gemacht habe.

Was brauchen Kinder heute, um gut aufzuwachsen?

Die Grundvoraussetzungen werden im Elternhaus gelegt: Liebe, Zuneigung, Vertrauen und ein festes Wertesystem. Da kommen auch schon die Bildung und die Schule mit ins Spiel. Ein Wertesystem muss klar vorgegeben werden. Für Kinder ist es in Ordnung, wenn man ihnen den Unterschied zwischen Gut und Böse aufzeigt. Ich denke, dass auch hier mitunter eine christliche Erziehung helfen kann. Die ganze Schulzeit soll schon als Orientierung dienen, in welche Richtung das Kind seine Begabungen ausleben kann. Die Kinder und Jugendlichen sollten dementsprechend auch gefördert und ihre Schwächen nicht allzu sehr in den Mittelpunkt gestellt werden.

Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche galten in Deutschland im vergangenen Jahr als armutsgefährdet. Wie kann mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden?

Ich bin kein Politiker, insofern versuche ich als Schirmherr der "Herzenssache" einfach Geld aufzubringen, um verschiedene Missstände zu bereinigen. Wer einmal arm ist, bleibt über Jahre hinweg arm. Deshalb ist es ganz wichtig, entsprechende Einrichtungen zu unterstützen und das macht "Herzenssache". Wir fördern Projekte, die das Selbstwertgefühl der Kinder stärken, die sich abgehängt fühlen. Wir unterstützen sie, sodass sie an Schulausflügen teilnehmen oder sich bessere Klamotten leisten können, und wir ermöglichen ihnen eine kindergerechte Freizeitgestaltung. Es gibt Projekte an Schulen, die vom Gemüsegarten über gesundes Schulfrühstück bis hin zu Bildungspaten und Präventionsprojekten gegen Mobbing reichen.

Welche Projekte haben Sie besonders berührt?

Ich bin ja durch mein Musikerdasein ziemlich privilegiert und verhätschelt, und im Prinzip hat mich dadurch alles berührt. Bei einem Projekt für Straßenkinder in Mannheim habe ich vor Ort mit einem Jungen gesprochen, der mir das Wort "unbeschulbar" erklärt hat. Er galt als unbeschulbar, weil er von der Erziehung her und durch sein Elternhaus gar nicht in der Lage war, Termine einzuhalten oder pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Und nachdem man ihn von der Schule geschmissen hatte, wäre er einfach auf der Straße gelandet. Man denkt immer, dass unser soziales Netz hier schon irgendwie greifen wird, aber dem ist nicht so. Durch die von "Herzenssache" geförderte Notschlafstelle und Straßenschule hatte er aber die Möglichkeit, dank freiwilliger Lehrer, seinen Schulabschluss nachzuholen. Das ist schon wirklich sehr beeindruckend.

Wo sehen Sie generell in Deutschlands Bildungssystem den größten Handlungsbedarf?

Was mir nicht gefällt, ist G8. Das habe ich selbst als Vater in den letzten Jahren bei meinen Söhnen mitbekommen, die das Abitur gemacht haben. Meine Jungs haben beide nach ihrem Abschluss eine Auszeit gemacht, um sich von dem ganzen Schulstress zu erholen. Das habe ich ihnen auch gegönnt, denn unsereiner hatte dafür ja neun Jahre Zeit. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass man ein einheitliches Schulsystem braucht. Im Falle eines Umzugs ist eine Familie oft damit konfrontiert, dass man plötzlich in ein ganz anderes System fällt. Jedes Bundesland hat über sein Kultusministerium die eigene Hoheit in schulischen Fragen. Ich fände es gut, das über den Bund zu regeln.

Hintergrund
Seit 17 Jahren fördert die Kinderhilfsaktion "Herzenssache" Projekte, die Kinder materiell und ideell unterstützen. "Herzenssache" kümmert sich um Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Hartmut Engler ist seit 2013 Schirmherr der Aktion von Südwestrundfunk, Saarländischer Rundfunk und Sparda-Bank, durch die bis heute gut 32 Millionen Euro Spenden gesammelt und insgesamt 850 Einrichtungen unterstützt wurden.
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in besonderem Maße für Bildung, Kinder und Jugendliche stark machen, ehrt der Didacta Verband seit neun Jahren mit dem Titel "Bildungsbotschafter der didacta". Vergangene Preisträger waren unter anderen Dunja Hayali, Peter Maffay und die Robert-Bosch-Stiftung. Die Ehrung ist mit einem Preisgeld von 2 000 Euro verbunden.

Der Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft, Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, ehrt Hartmut Engler und die Kinderhilfsaktion Herzenssache e.V. am 21. Februar, um 13 Uhr, auf der didacta 2018 im Forum didacta aktuell, Halle 12, Stand D14.

Copyright für Bild(er):Herzenssache e. V.
Bildunterschrift(en) Hartmut Engler ist seit 2013 Schirmherr von Herzenssache e.V., der Kinderhilfsaktion von SWR, SR und der Sparda-Bank. Seit 17 Jahren fördert der Verein Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche im Südwesten der Republik.
Hinweis zur Bildnutzung Die Bilder sind für die redaktionelle Berichterstattung ausschließlich im Kontext der Initiative Herzenssache und unter Angabe der Bildquelle freigegeben.

Dazu auf der didacta 2018 in Hannover:

Forum didacta aktuell (Halle 12, Stand D14)
Mittwoch, 21. Februar 2018
11 bis 11:45 Uhr

Bildungsgerechtigkeit - schon da oder noch weit weg?
Podiumsdiskussion mit Experten aus Wissenschaft, Politik, Schule und Wirtschaft, u.a.:
Dr. Gerhard Braun, BDA-Vizepräsident
Marlis Tepe, GEW-Bundesvorsitzende
Prof. Dr. Axel Plünnecke, Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Moderation: Armin Himmelrath
Veranstalter: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Mittwoch, 21. Februar 2018
14:00 bis 14:45 Uhr

Lehrkräftemangel und marode Schulen - Wege zu einer nachhaltigen Bildungsfinanzierung
Veranstalter: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Forum Unterrichtspraxis (Halle 12, Stand D46)
Dienstag, 20. Februar 2018
13.00 bis 14.00 Uhr

Umgang mit herausforderndem Verhalten in der Grundschule
Junior-Prof. Dr. Daniel Mays, Professur für Förderpädagogik mit dem Schwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, Universität Siegen
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Dienstag, 20. Februar 2018
13.00 bis 14.00 Uhr

Teamgeister - soziales Lernen in der Grundschule
Heiner Wilms, war Lehrer an Hauptschule, Realschule und Gesamtschule; seit 1997 Autor und Trainer für ein Programm zum sozialen Lernen in der Sekundarstufe I und seit 2010 auch für Teamgeister in der Grundschule
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Ansprechpartner für die Redaktion:
Didacta Verband e.V.
Thorsten Timmerarens
+49 6151 35215 13
timmerarens@didacta.de

Herzenssache e.V.
Astrid Bierschenk
+49 6131 929 33927
astrid.bierschenk@swr.de

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