„Die Inhalte können schnell aktualisiert werden, und es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Weiterbildungsmaßnahmen exakt auf die Situation und die verschiedenen Zielgruppen zuzuschneiden“, erklärt Dr. Wolfgang Kraemer, Vorsitzender der imc AG, die im Kundenauftrag Lerntechnologien und Lerninhalte entwickelt.
Als Beispiele für die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten nennt Kraemer das klassische Web Based Training (WBT), interaktive Lernspiele (Serious Games), 3-D-Modelle, Smartphone-Apps und ganz neue Formate wie die Smart Show. Hier vermitteln kurze Videos im Comicstripstil komplexe Sachverhalte oder Produkte.
Nun müssen diese technologisch doch recht aufwändigen Lösungen erst einmal programmiert werden, was gerade dem kleineren Mittelstand oft zu kostenintensiv erscheint. Doch dem ist nicht unbedingt so. Mittlerweile gibt es eine Reihe von standardisierten Lerninhalten, die zentral über das Internet als Mietlösung (SaaS) angeboten werden. Die Inhalte befinden sich auf dem Server des Schulungsinstituts oder der Firma und die einzelnen Module können zielgerichtet an die einzelnen Mitarbeiter verteilt werden.
Auch imc setzt vermehrt auf Lösungen aus der Cloud. „Aktuell entwickeln wir einen Aus- und Weiterbildungsmarktplatz, auf dem Trainer, Schulungs- und Content-Anbieter ihre Angebote an Präsenzschulungen oder E-Learning-Kursen einstellen können. Die Plattform soll unter dem Namen TrainingONE online gehen“, so Kraemer, der solchen Cloud-Diensten ein großes Potenzial zuschreibt. Schließlich sind die Inhalte jederzeit und an jedem Ort mit Internet-Anschluss über die Datenleitung per Rechner, Tablet oder Smartphone abrufbar. „Die Mitarbeiter können über das Internet die Schulung genau dann durchführen, wenn es in ihren Arbeitsablauf passt, beispielsweise bei der Zugfahrt oder während Wartezeiten“, betont der imc-Vorstand. Besonders bei Außendienstlern kommt diese effiziente Lösung sehr gut an. Und nicht nur für dort. „Auch für andere Mitarbeiter ist es heute immer wichtiger, flexibel zu sein und nicht durch Präsenzschulungen mehrere Stunden oder gar Tage aus ihrem Tagesgeschäft gerissen zu werden“, erläutert Kraemer, der die Erfahrung gemacht hat, dass solche Lösungen die Motivation oft spürbar steigern. Einen zusätzlichen Motivationskick könnten Lösungen geben, bei denen die Lernfortschritte dokumentiert werden können.
Ein weiterer aktueller Trend ist das so genannte Microlearning „Hier geht es darum,“ erklärt Kraemer, „Lerninhalte nicht in einer theoretischen Schulung zu vermitteln, sondern sie in kleinen Häppchen im tatsächlichen Arbeitsalltag zur Verfügung zu stellen.“ Das Ganze funktioniert so: „Intelligente Systeme erkennen in Echtzeit den Kontext, in dem sich der Anwender befindet, also die genutzte Software und das konkrete Feld bzw. den angewählten Menüpunkt, in dem sich der Nutzer gerade befindet. Wenn er Hilfe benötigt, stellt das System umgehend die ausgewählten Lerninhalte zur Verfügung.“ Besonders praktisch ist hier, dass man bei Fragen keinen Katalog mit Hilfsvorschlägen durchstöbern muss; stattdessen kann der Nutzer kann die bereits passend angebotenen Informationen direkt anwählen. Kraemer findet diese Weiterbildungsform besonders effizient, weil dabei Lernen und praktisches Üben Hand in Hand gehen. „Gerade heutzutage haben Mitarbeiter immer weniger Zeit für einzelne Aufgaben, so dass informelles Lernen eine enorme Unterstützung darstellt“, begründet der Fachmann seine Meinung.
Eine andere Form des informellen Lernens wären Wikis und Intranets im Betrieb. Bei dieser Form von Social Learning geben Mitarbeiter ihre Erfahrungen und ihr Wissen ein und teilen sie mit anderen. „Solche sozialen Wissensplattformen sind zwar kein echter Ersatz für professionell erstellte und mit einem didaktischen Konzept erarbeitete Lerninhalte, aber sie stellen eine ideale Ergänzung dar, zumal sie ja auch permanent von den Anwendern weiter entwickelt und vervollständigt werden“, fasst Kraemer zusammen. Und sie haben noch einen weiteren Vorteil: Das Wissen bleibt im Betrieb. Auch wenn die Mitarbeiter schon ausgeschieden sind.